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Beim neuen Projekt „bestinterest“ machen bereits 20 Unternehmen mit.
„Früher hieß es Beruf oder Familie. Heute ist Beruf und Familie angesagt.“ Dies ist der Leitsatz von „bestinterest“ – dem jüngsten Projekt im Hause VFBB/diag gGmbH in Speyer. Ein zweiköpfiges Team bringt das Thema Familienfreundlichkeit in die kleinen Unternehmen der Region. Ob Elternzeit oder Pflege von Angehörigen – es ist nicht nur für die Frauen wichtig, trotzdem beruflich am Ball zu bleiben.
Auch für den Arbeitgeber ist der Umgang mit berufstätigen Müttern eine Herausforderung. Besonders kleinen Betrieben fehlt meist eine Strategie, wie sie mit geeigneten Maßnahmen Frauen weiterhin vollzeitnah beschäftigen können und damit ihr Fachwissen im Unternehmen halten können. Viele Anregungen und Praxistipps finden Unternehmer und Beschäftigte in ihren jeweiligen „bestinterest“-Ratgeber-Mappen, die individuell erstellt werden. Im Rückkehr-Prozess stehen Arbeitszeit, betriebliche Abläufe, Zuschüsse oder die Möglichkeiten, den Kontakt zur Mitarbeiterin zu halten, auf der Tagesordnung. Je schneller und reibungsloser er funktioniert, umso besser für beide Seiten.
Über 20 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen machen schon mit. „3i Informationstechnologie GmbH“, ein junges Unternehmen aus Bad Dürkheim, ging als erster Arbeitgeber auf das kostenlose Beratungsangebot von „bestinterest“ ein. „Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein zentraler Baustein unserer Personalstrategie. Es ist ein Wettbewerbsvorteil, qualifizierte und gut eingearbeitete Mitarbeiter im Unternehmen zu halten. Als Arbeitszeitmodell nutzen wir bereits „Home-Office“. Die einfache Verwaltung und hohe Wirtschaftlichkeit führt zur absoluten Flexibilität, welche ich jedem Unternehmer nur ans Herz legen kann“, unterstrich Geschäftsführer Marcus Bujak.
Katrin Woidy, Assistentin der Geschäftsführung bei „3i“, freut sich über die praxisnahe Unterstützung durch das Projekt „bestinterest“. „Durch die Beratung habe ich als werdende Mutter hervorragende Tipps erhalten, die mich entlasten und meinem Arbeitgeber zugleich Vorteile bringen. Ich bin bei meinem Arbeitgeber zeitlich flexibel und sehr motiviert, weiterhin für das Unternehmen tätig zu sein“, so Woidy.
Auch sie weiß: Wer mehrere Jahre aus dem Berufsleben aussteigt, um sich der Kinderbetreuung zu widmen, verliert oft den Anschluss. Beruflicher Aufstieg, Verdienst und Rente leiden darunter. „Kleinunternehmer werden den Fachkräftemangel in Kürze immer stärker spüren. Da ist es gut, sich mit Familienfreundlichkeit zu positionieren“, so diag-Geschäftsführerin Doris Eberle.
Das Projekt „bestinterest“ wird gefördert im Rahmen der Bundesinitiative „Gleichstellung von Frauen in der Wirtschaft“ (www.bundesinitiative-gleichstellen.de…). Dieses Programm wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gemeinsam mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) entwickelt. Das Programm wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) sowie des Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert.
Weitere Informationen unter:
Seit über 25 Jahren ist der Verein zur Förderung der Beruflichen Bildung e.V. (VFBB) in Speyer einer der Fort- und Weiterbildungsstätten in der Region. Der VFBB e.V. gibt mit seinen zahlreichen Projekten an verschiedenen Standorten wie Speyer, Schwetzingen und Germersheim Menschen eine berufliche Perspektive. Beim Verein steht dabei vor allem eines im Mittelpunkt: der Mensch und seine individuellen Möglichkeiten. An der diag gGmbH (Dienstleistungs-, Innovations- und Arbeitsvermittlungsgesellschaft) ist der VFBB zu 100 Prozent beteiligt. Aufgabe der diag ist, durch innovative Ansätze Arbeitsplätze zu schaffen und zu halten. Ein erfolgreiches Projekt der diag ist die Speyerer Organisation Privater Hilfen (sophi), dessen Laden in der Lessingstr. 2 in Speyer-West Fuß gefasst hat.

Das Projekt “bestinterest” wird betreut von Katrin Woidy und Marcus Bujak
Foto: VFBB/diag gGmbH
Hintergrund zum Projekt „bestinterest“:
Qualifikationsverluste von Mitarbeiterinnen während einer Familienphase verringern und den schnellen beruflichen Wiedereinstieg unterstützen
Wenn Unternehmen betriebliche Maßnahmen ergreifen, um den Wiedereinstieg nach der Elternzeit leicht zu gestalten und Frauen so eine schnelle Rückkehr ermöglichen, entsteht eine Win-win-Situation für die Unternehmen und die Mütter.
Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des Fachkräfteman-gels ist es für kleine Unternehmen enorm wichtig, sich attraktiv für potenzielle Bewerberinnen und Bewerber, und vor allem für ihre eingearbeiteten Fach-kräfte zu präsentieren. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist dabei ein entscheidender Faktor: Sie ist vielen Beschäftigten sogar wichtiger als das Gehalt (Personalmarketingstudie 2010). Zur Familienfreundlichkeit gehört es, den Wiedereinstieg nach der Elternzeit möglichst leicht zu gestalten und die Qualifikationsverluste für die Beschäftigten während der Auszeit so gering wie möglich zu halten. Vor allem für die weiblichen Beschäftigten. Denn auch wenn immer mehr Männer für die Erziehung ihrer Kinder eine Auszeit einlegen, sind es mehrheitlich die Frauen, die ihre Berufstätigkeit für die Erziehung der Kinder und für die Pflege von Angehörigen unterbrechen. Das neue Gesetz „Familien-pflegezeit“ soll ab 2012 zu einer besseren Vereinbarkeit von Pflege und Beruf beitragen, so dass Pflegende nicht in die Arbeitslosigkeit und in die Altersarmut abgedrängt werden.
Die familiäre Auszeit hat Folgen für die Unternehmen, aber auch für die Frauen. Den Betrieben entstehen Kosten. Sie müssen den Ausfall personell überbrücken, das bringt Such- und Einarbeitungskosten mit sich. Außerdem muss die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter nach der Auszeit wieder auf den neuesten Stand gebracht werden. Eine lange Auszeit ist also eine teure Auszeit für die Unternehmen. Abhängig von der Einkommensklasse und Länge der Elternzeit können dem Unternehmen Kosten zwischen 2.000 und 12.000 Euro je Mitarbeiterin oder Mitarbeiter für Qualifizierung, Einarbeitung und Minderleistung entstehen.
Doch nicht nur für die Unternehmen hat eine Auszeit Folgen. Sie wirkt sich auch auf die Karriere der Mutter aus. Studien zeigen etwa, dass Mütter nach der Auszeit weniger verdienen und sich ihre Karriere verlangsamt. Auch hier gilt: je kürzer die Auszeit, desto geringer die Folgen für die Frauen (Institut der deutschen Wirtschaft Köln, 2010). Frauen, die nach der Geburt eines Kindes innerhalb von anderthalb Jahren wieder in den Berufsalltag einsteigen, haben eine Lohnlücke von nur vier Prozent. Oft drängen unerwartete Umstände Frauen in die Rolle der Familienernährerinnen. Dann ist es gut, wenn man die eigene Entwicklung nicht vernachlässigt hat. Wichtig ist, dass Frauen während der Auszeit den Kontakt zum Unternehmen halten und auf dem neuesten Stand der Entwicklungen bleiben. Je besser dies gelingt, desto leichter fällt auch der Einstieg in den Beruf.









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Katharina Ravengiersburg
21. Februar 2012
Auch ich bin davon betroffen, neben dem Beruf einen Angehörigen zu pflegen. Das neue Gesetz würde es mir definitiv erleichtern, beide Punkte unter einen Hut zu bekommen. Denn “Familien-Pflegezeit” ist wichtig, damit der geliebte Mensch nicht irgendeine anonyme 24-h Pflege über sich ergehen lassen muss. Grüße, Katharina.