Großes Kino in Heidelberg

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Heidelberg ist nicht gerade bekannt für “Großes ” – eher für “Kleine Brötchen” – trotzdem will man die Heidelberger Kinofans nicht in’s Umland schicken

Ein Kommentar von Nils Herbstrieth

Heidelberg braucht ein Mainstream-Kino (dt. “Massengeschmackskino”) mit bis zu 2.000 Plätzen. Dies zumindest meint man aus Statements von potentiellen Kinobetreibern herauslesen zu können. Nicht ganz so sicher ist man sich bei der Standortsuche. Ganz ohne Bürgerbeteiligung hat die Stadtverwaltung 4 potentielle Standorte ausgedeutet. Einer in der Altstadt an der Friedrich-Ebert-Anlage, zwei in Bergheim, im Landfriedgelände und an der Alten Feuerwache, einer in der Bahnstadt am zukünftigen südlichen Bahnhofsvorplatz.

Die Gemeinderatsfraktion der SPD möchte den Standort Altstadt aus den möglichen Standorten heraushalten. Hauptsprecherin dieses Anliegens ist Altstadtbewohnerin Karin Werner-Jensen, auch bekannt als Sprecherin der Initiative , die seit einiger Zeit den bekämpft. Noch einmal 2.000 Lärmquellen mehr, die die Altstadt fluten, das bräuchten die Bewohner wirklich nicht. Einerseits verständlich, andererseits wollen viele gerade eine lebendige Altstadt mit vielfältigen Funktionen und Angeboten. Das Harmonie-Lux Kino ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Altstadt. Und gerade die Lage war immer der Haupt-Attraktivitätsfaktor dieses Kinos. Vorher noch was einkaufen, hinterher was trinken oder essen gehen, so hat man das gerne.

Der hat den Altstadtstandort mit großer Mehrheit in der Auswahl gehalten, man möchte Chancen und Möglichkeiten nicht von vornherein ausschließen. Ein Kinokomplex außerhalb der Altstadt ist dann auch etwas ganz anderes, als das bisher Gewohnte. In Bergheim oder in der Bahnstadt gibt es kaum Geschäfte und nur wenig Gastronomie drumherum. Dort muss das Kino das alles selbst anbieten, es entsteht also in der Regel eines dieser eher introvertierten Multiplexe.

Foto: Multiplex Würzburg GKK Architekten

Der Beschluss des Gemeinderates lässt alle Möglichkeiten offen. Aber offen für was? Den städtebaulich besten Standort? Den finanziell günstigsten Standort? Den am schnellsten zu realisierenden Standort? Den Standort mit den wenigsten Gegnern? Freie Auswahl für potentielle Investoren? Irgendwie ist nicht ganz klar, worauf das hinaus laufen soll. Auffällig auch der große Unterschied zum Verfahren zur Standortsuche für ein neues Konferenzzentrum, das gerade erst von der Bürgerstiftung Heidelberg vorgestellt wurde. Nach dem Scheitern des Anbau’s für ein Konferenzzentrum an die Stadthalle will man hier mit größtmöglicher Offenheit, Transparenz und Bürgerbeteiligung von Anfang an zum Ziel kommen. Beim Kino scheint das alles nicht nötig zu sein. Ob das gut geht?

Hier der Wortlaut des Gemeinderatsbeschlusses vom 15.12.2011, beschlossen mit 31 Ja-Stimmen, 1 Nein-Stimme und 4 Enthaltungen:

  • Der Gemeinderat erkennt den Handlungsbedarf zur Sicherung aller drei Kinoteilmärkte und Schaffung eines neuen kommerziellen Kinos an, damit Heidelberg zukünftig wieder attraktiver Kinostandort wird.
  • Entsprechend den Begründungen dieser Vorlage wird die Verwaltung beauftragt, die Ansiedlung eines kommerziellen Kinos mit den sich aus der Vorlage ergebenen Rahmenbedingungen aktiv voranzubringen.
  • Dabei sollen alle in der Anlage 3 betrachteten Standorte weiter berücksichtigt werden. Die Entscheidung soll in einer weiteren Stufe des Verfahrens zugunsten des Standortes fallen, an dem sich die Realisierung unter stadtentwicklungs, wirtschaftlichen und zeitlichen Gesichtspunkten am besten realisieren lässt.
  • Im Zuge der Ansiedlung eines kommerziellen Kinos ist ein Konzept zu favorisieren, das Rücksicht auf den Bestand nimmt und gemeinsam mit den lokalen Betreibern eine Kooperation eingeht um auch mittelfristig den Markt der Programmkinos abbilden zu können.
  • Die Verwaltung bringt sich in die Unterstützung zur Umrüstung des kommunalen Kinos auf einen modernen Stand der Technik ein.

 



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  1. Heidelberg braucht zuerst einmal den Erhalt des Harmonie/Lux-Kinos. Ich hoffe, die Arbeitnehmer des Unternehmens schaffen es, diese Kinos weiterzubetreiben und das nicht nur die nächsten 12-18 Monate. Dazu brauchen sie aber Unterstützung in Form von Werbung und finanziellen Einlagen in die zu gründende Gesellschaft.

  2. Warum fragt man nicht einfach die Groß-Investoren, wo Sie ein Großkino hinbauen wollen? Nachdem der Standort Bahnstadt nicht mehr erwähnt wird, obwohl hier die beste Zufahrt und Parkmöglichkeit wäre, wird wohl das Landfriedgelände den Zuschlag erhalten?!….die “Landfriederben” reiben sich bestimmt schon die Hände, wetten das?! Geht heute nicht alles nur mit Beziehungen?!

  3. Lux/Harmonie sind erhalt- und modernisierbar. Sehr fragwürdig ist die Behauptung, HD brauche ein “Kino mit bis zu 2000 Plätzen”. Daß die Idee durch etliche Köpfe geistert, die Altstadt als Stadtteil mit der höchsten Bebauungsdichte und den wenigsten innerstädtischen Grünflächen vertrage die Bebauung eines Areals, das wesentlich für die Frischluftzufuhr ist – der in Erwägung gezogene Standort an der Fr.-Ebert-Anlage -, steht für Ignoranz ökologischer Kriterien.

  4. Warum nicht das “Harmonie/Lux” modernisieren ?
    Mit dem Neubau eines Kinos, egal wohin, würde hier an der alten Stelle doch ein vorhandenes Gebäude dem Verfall preisgegeben oder was plant die Stadt dann an diesem Standort ?
    Noch ein Ramschladen mehr oder noch ein Handy-Anbieter mehr ?
    Immer wieder kann man feststellen, dass die Planungsstellen der Stadt einen unausgegorenen Plan “A” in die Tonne stampfen, aber keinen Plan “B” haben !

  5. So ein Multiplexkino könnte durchaus auch ansprechend aussehen. Hier eine Außenansicht des Nürnberger Cinecittà mit ca. 5000 Plätzen in 22 Kinos: http://www.nordbayern.de/nuernberger-zeitung/stadtleben/gestern-und-heute-15-jahre-cinecitta-1.341060?offset=4#ancTitle

  6. Was will ich mit einem Minikino in der Altstadt? Die haben wir doch und es laufen hervorragende Fime dort. Wir brauchen ein Großkino am Bahnhof und keine Ideen von konservativen Sozialromantikern, die noch im Harminie geknutscht haben.
    Auf die Hauptstraße gehört endlich ein großes Bekleidungshaus (Fullsortimenter) mit 80 Mitarbeitern.
    Oder wollt ihr auf der Poststraße für viel Geld parken um dann mit der Tram in Schrittgeschwindigkeit bis zum Kino zu gondeln?
    Aber vielleicht wollt ihr nach dem Kino in den Seppel oder roten Ochsen, um dann alte Studentenlieder zu singen….
    Isch net!

  7. Hier ein Beispiel, wie es in Heidelberg schon lange hätte laufen müssen: in einer etwas kleineren Großstadt (Fürth/Bayern) wird Rasch Abhilfe bei einem plötzlich schließenden größeren Altkino geleistet. Die Kommune verkauft ein zentral gelegenes Grundstück günstig an den Investor eines neuen Multiplexkinos. Und das, obwohl am anderen Ende der U-Bahnlinie Fürth/Nürnberg schon Deutschlands größtes (und umsatzstärkstes) Multiplexkino steht (Cinecittà). Siehe: http://www.nordbayern.de/region/fuerth/furth-lokalmatador-nimmt-das-multiplex-kino-ins-visier-1.2020221

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