Gemeinsam zum neuen Kongresszentrum für Heidelberg

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Nach dem die Stadtverwaltung im Jahr 2009 den Standort an der Stadthalle für ein neues Kongresszentrum als “alternativlos” erklärt hat, soll jetzt unter der Regie der Bürgerstifung Heidelberg ein neuer Standort gefunden werden.

Am 12. Dezember 2011 hat die Bürgerstiftung ihr Konzept zu einem transparenten und offenen Bürgerbeteiligungsverfahren an Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner übergeben. Der Vorschlag muss noch die gemeinderätlichen Gremien passieren um in die Umsetzung zu gelangen.

Dr. Steffen Siegmund, Dr. Eckart Würzner, Dr. Hans Joachim Bremme, Andreas Epple

Interview mit Dr. Steffen Sigmund, Vorsitzender der Bürgerstiftung Heidelberg  

– Von Atossa Kamran –

Die-Stadtredaktion:
Dr. Sigmund, die Bürgerstiftung Heidelberg hat im Dezember 2011 Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner ihren Verfahrensvorschlag zur Frage der „Standortsuche Kongresszentrum“ überreicht. Wie kam es dazu?

Dr. Steffen Sigmund:
Die Stadtverwaltung hat uns im Frühjahr angesprochen: Wir wurden angefragt, ob wir bereit wären, einen Verfahrensvorschlag zur „Standortsuche Kongresszentrum“ zu entwickeln. Wir haben das intern diskutiert und schließlich „ja“ gesagt. Und dann ging es richtig los: Wir haben eine Arbeitsgruppe gebildet und uns regelmäßig getroffen. Im November 2011 war es dann endlich soweit: Unser Entwurf war fertig.

Die-Stadtredaktion: 
Überrascht es Sie, dass die Bürgerstiftung mit dem Verfahrensvorschlag beauftragt wurde?

Dr. Steffen Sigmund:
Das freut uns eher. Immerhin ist die Zukunftsentwicklung der Stadt Heidelberg ein Grundanliegen unserer Bürgerstiftung. Prozesse, die dazu beitragen, unterstützen wir deshalb gerne. Und eine Verfahrensentwicklung zur „Standortsuche Kongresszentrum“ gehört unbedingt dazu!

Die-Stadtredaktion:
Können Sie Ihr Konzept kurz skizzieren?

Dr. Steffen Sigmund: 
Unser Konzept sieht vor, eine Steuerungsgruppe mit Geschäftsführung bestehend aus Vertretern der Wirtschaft, der Verwaltung, der Bürgerinitiativen und der Universität zu formieren. Ergänzend dazu sollte eine Person mit hohem gesellschaftlichem Prestige hinzu gezogen werden. Die Aufgabe der zum größten Teil ehrenamtlich-agierenden Steuerungsgruppe wäre es dann, in einem mehrstufigen und mehrdimensionalen Verfahren den öffentlichen Beteiligungsprozess unter der Mitwirkung von Fachgutachtern die „Standort-Frage“ zu klären. Der gesamte Prozess soll aber nicht länger als 18 Monate dauern.

Die-Stadtredaktion: 
Glauben Sie denn, dass die Heidelberger die Idee einer  „Steuerungsgruppe Kongresszentrum“ gut finden werden?

Dr. Steffen Sigmund:
Ich glaube schon. Heidelberg hat eine sehr gebildete und kritisch-interessierte Bürgerschaft. Und die will an den Prozessen der Stadtentwicklung beteiligt werden. Das gilt dann wohl auch für eine systematisch-initiierte Suche nach einem Standort für ein Kongresszentrum.

Die-Stadtredaktion: 
Wie stellen sie sich denn eine Bürgerbeteiligung bei Ihrem Konzept überhaupt vor?

Dr. Steffen Sigmund:
Unser Konzept schließt von Beginn an Bürgerbeteiligung mit ein: Zwei Vertreter von Bürgerinitiativen sind ja Mitglieder der Steuerungsgruppe. Die Arbeit der Steuerungsgruppe soll von Beginn an so transparent wie möglich ablaufen. Außerdem ist eine Art „Info-Kiosk“ geplant. Also ein gut sichtbarer Pavillon, der Informationen für Bürger bereithält, aber auch offen für Fragen und Vorschläge ist. Nicht zu Letzt sind da noch die „Neuen Medien“. Und die bieten sicher auch neue, interessante Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung bei der Frage der „Standortsuche Kongresszentrum“.

Die-Stadtredaktion: 
Wird die Bürgerstiftung Heidelberg auch einen Standortvorschlag einbringen?

Dr. Steffen Sigmund:
Nein. Da wollen wir uns heraus halten, das war von Beginn an klar. Es geht uns nämlich eher um das „Wie“, also um die Konzeption, Organisation und Steuerung des Ganzen.

Die-Stadtredaktion: 
Ihr Verfahrensvorschlag zur „Standortsuche Kongresszentrum“ ist nun an Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner überreicht. Und jetzt? Wie geht es weiter?

Dr. Steffen Sigmund: 
Oberbürgermeister Dr. Würzner wird aus unserem Vorschlag eine Gemeinderatsvorlage formulieren. Der Gemeinderat diskutiert dann die Vorlage, entscheidet darüber abschließend und beruft die Steuerungsgruppe ein. Wir hoffen natürlich sehr, dass unser Vorschlag auf positive Resonanz stößt. Wenn das der Fall ist, dann beginnt unsere Arbeit. Und das heißt erst einmal, mit dem Thema „Kongresszentrum“ an die Öffentlichkeit zu gehen, und in einem Diskurs gemeinsam alle Facetten des Themas zu beleuchten. Was dabei genau heraus kommen wird, das weiß ich natürlich nicht. Aber ich bin sehr gespannt darauf!

 Pressemitteilung_Buergerstiftung_Konferenzzentrum

 

Neue Informationspolitik

Ein Kommentar von Nils Herbstrieth

Konkrete Standorte wird die Bürgerstiftung bzw. der vorgesehene Lenkungskreis nicht einbringen, die sollen aus dem Verfahren kommen und von der Bürgerschaft vorgeschlagen werden. Der Standort an der Stadthalle ist mit Sicherheit auch wieder dabei. 18 Monate nach dem Bürgerentscheid gegen den Standort Stadthalle wird ein Verfahren vorgeschlagen das 18 Monate dauern soll. Macht zusammen 36 Monate. Genau so lange gilt auch die Sperrfrist nach einem gewonnenen Bürgerentscheid, danach kann der Gemeinderat wieder neu entscheiden, auch für einen Standort Stadthalle. Zufall?

Da weiß man nicht so recht ob es wirklich darum geht, den besten Standort für ein Kongresszentrum zu finden, oder darum, den alten Standort zu legitimieren? Vielleicht ist ja auch beides das Gleiche? Die Befürworter von damals werden kaum ihre Meinung geändert haben. Unter ihnen auch Andreas Epple, der in seiner Eigenschaft als Gründungsstifter der Bürgerstiftung Heidelberg, bei der Übergabe des Verfahrensvorschlags an Oberbürgermeister Dr. Würzner anwesend war. Auch von den Gegnern ist kaum zu erwarten, dass sie zu Befürwortern “beteiligt” werden.

Zu einem substantiellen Ergebnis führen kann dieses Verfahren nur unter drei wesentlichen Voraussetzungen:

  • Die damaligen Befürworter des Standortes Stadthalle schauen sich alle möglichen anderen Standorte vorbehaltslos an und sind bereit bei der Kosten / Nutzen Rechnung ein paar Abstriche zu machen.
  • Die damaligen Gegner lassen eine erneute, offene Diskussion über den Standort Stadthalle zu.
  • Ein anderer Standort funktioniert nur, wenn für die Stadthalle in gleichem Zuge eine zukunftsfähige Nutzungslösung gefunden wird.

There are 9 comments

  1. Fritz Feder

    Taliban? Versachlichung? Da war wohl harsche Übermüdung im Spiel (1:20), möchte man zugute halten…
    Beste Grüße
    Fritz Feder

  2. saber rider

    ich sehe wir kommen der sache näher.

    konzepte, slogans… alles da!

    so muss user- äh bürgerbeteiligung aussehen

  3. Ernest Kraft

    Na ja Herr Horn, wenn dann schon ein Heidelberger Grabtuch. Das Turiner Grabtuch z.B. veranlasst immerhin Hundertausende Wallfahrer als ernster Wirtschaftsfaktor nach Turin anzureisen. Es ist die Kunst die eigene Unfähigkeit zu vermarkten und der Stadt dabei sogar touristisch unter die Arme zu greifen. Blöd is beautiful.

  4. Horst Horn

    Wenn Gunther von Hagen grade “keine Zeit” zum Plastinieren hat, wie wäre es denn mit Christof, dem Verpackungskünsteler ?
    Ganz Heidelberg in ein “Tuch des Schweigens” eingepackt und schon ist Ruh !!!

  5. saber rider

    ersteinmal entschuldigung für eine weitere sms-artige schreibe meinerseits.
    dieses smartphone-autokorrektur-vorschlag-geschreibe hab ich nicht im griff. (schreibe direkt aus meinem raumkreuzer)

    dennoch herr ernest kraft,
    sie haben da vielleicht die ultimativen lösung für alles gefunden. also wirklich für alles. für die zukunft. für alle weiteren bauvorhaben. für den tourismus, für uns alle!für mich! und für den gunther!

    plastination ist das stichwort.

    kann der gunther nicht die stadt wie sie ist plastinieren?
    also alles? nicht nur die stadthalle. auch den kaufhof und so? eventuell auch den emmertsgrund?

    der gunther kann sowas oder? bestimmt.

    falls es diesen vorschlag schonmal gab bitte ich um entschuldigung.

    saber

  6. Ernest Kraft

    Tja, das Thema Kongresshalle ist doch immer noch ein Zugpferdchen ein paar posts zu bekommen.

    Generell ist die Idee sehr gut die informationsschiene zweigleisig aufzuziehen und möglichst früh die Versachlichung in das Thema hineinzubringen – auch bei dem unwissend gebildeten Heidelberger. Das scheut die Heidelberger Taliban wie der Teufel das Weihwasser.

    Hobbydemagogen die Leuten glauben machen wollen das Bäume tatsächlich im Winter das Laub verlieren, werden sich also wieder ein paar neue grimmige Märchen ausdenken müssen.

    Ich würde auf jeden Fall gutgläubige Bürger bereits jetzt davor warnen sich einreden zu lassen, dass Gunther von Hagens die Bäume bei lebendiger Rinde plastinieren wird, um auch im Winter für schreckliches Grün zu sorgen.

    Mit chlorophyllischen Grüßen
    Ernest Kraft

  7. saber rider

    hm,
    eine “erweiterung” der alten stadthalle ist standortmässig selbstverständlich alternativlos.

    was nicht heisst dass es keien grundsätzlichen alternativen gibt:
    stadthalle abreissen, sandstein im neckar versänken….
    fläche zubetonieren und parkplatz drauf ??

    dann unter neuem namen (kongresshütte!) ohne renderings und wettbewerb in der bahnhofstr. hurtig was errichten?!

    blöde idee?
    keine ahnung, es waren schon zuviele gute ideen dabei… hab den überblick verloren

    gruss#
    der saber

  8. Horst Horn

    Wie lange soll denn diesmal der “Zirkus” dauern ?
    Eine Seite will kein neues Kongresszentrum, eine andere Meinung will es am Bahnhof, wieder andere wollen es in der Bahnstadt ansiedeln und nicht zu vergessen sind die, die immer noch dem ersten Vorschlag nachtrauern: Anbau an der alten Stadthalle (der Vorschlag könnte schon gebaut sein) Heidelberg wird nie etwas auf die Beine stelle weil hier zuviele “Köche am Brei” sind und die verderben ja diesen, wie bekannt ist !

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