Freiheit ohne Ende im virtuellen Raum?

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Ein Kommentar von Jo Labusch

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein! Dieser Song von Reinhard Mey ist für dynamische Internet- und Social Media Freaks natürlich eine olle Kamelle. Beanspruchen sie doch Freiheit ohne Ende und jedwede Einschränkung im digitalen Raum des Internet ist Teufelszeug. Es hat ja auch was fast schon was romantisches, wenn Entwickler aus allen Herren und Frauen Ländern an einer „gerechten“ Open Source Software stricken, die allen Interessierten für umme bereit steht und keine Giganten wie Microsoft Lizenzgebühren kassieren.

Ja, im Internet gibt es das gute, basisdemokratische, freie, emanzipatorische, was die Gesellschaft voranbringt und die schnöde Welt der Berufspolitiker und Managerbürokraten konterkariert. Wo die unendlich-endliche Gemeinde der Internetfreaks agiert, dürfen daher andere Gesetze gelten(nämlich keine). Weil sonst der Geist des Fortschritts, der die Welt voranbringt, gebrochen werden würde.

Das klingt schon fast wie Robin Hood. Aber ob uns das wirklich weiter hilft, steht auf einem anderen Blatt: Hier die analoge, geregelte Welt der Gesetze, Verordnungen, Einschränkungen und dort die digitale Welt, in der anything goes? Zu schön, um wahr zu sein. Der Autor dieses Blogs gehört – hoffentlich J – nicht zu den Akteuren, die sich auf die Seite von Gutmenschen und manichäischer Weltbilder schlagen.

So auch in diesem Thema nicht. Das Internet ist ein Raum, in dem konkrete Geschäfte gemacht werden. Dass hier Gesetze zu gelten haben, versteht sich von selbst, denn Rechtssicherheit ist für beide Vertragspartner ein hohes Gut. Und wie bitte schön halten wir es, wenn neben dem puren Kommerz im Internet Dinge kommuniziert werden, die Menschenrechte mit Füßen treten? Augen zu und durch, weil das Gut der Freiheit höher ist als Menschenwürde? Von Datenschutz gar nicht zu sprechen, der Konzerne wie Google oder Facebook nur taktisch interessiert, weil es sie beim Geldmachen stört.

Und sicher können wir diskutieren, wie wir das Urheberrecht interpretieren – als geistiges Eigentum eines Individuums oder als frei verfügbares Gut für die Allgemeinheit. Aber zumindest ich kann nachvollziehen, dass Künstler, Autoren oder Musiker hier Schutz möchten, weil sie schlicht davon leben. Nur weil etwas digitalisiert ist, sofort versendet oder runtergeladen werden kann und nicht mehr am stofflichen hängt, heißt es noch lange nicht, dass alles geht. Oder gehen wir in ein Musikgeschäft, nehmen eine CD aus dem Regal und gehen dann einfach wieder raus, ohne zu bezahlen?

Das verzwickte am Internet ist, dass es verschiedene Gesetze und Rechte berührt. Das allein ist schon kompliziert genug, aber es ist auch noch ein globaler und Recht beruht oft noch auf spezifischen Landesregeln. Von einem Kant‘schen Weltbürgerrecht sind wir noch Lichtjahre entfernt. Die Kunst wäre also, auch im Internet ein verträgliches Mindestmaß an Recht und Regeln zu bieten, das Menschen schützt. Und trotzdem das freie, kreative des Internet zulässt und kaum beschneidet. Zum krönenden Abschluss dazu ein uraltes Zitat von Cicero in Deutsch: „Den Gesetzen gehorchen wir nur deswegen, um frei sein zu können“. Das lasse ich einfach so stehen.

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