Hagen Rether in der Stadthalle Heidelberg

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Als Top Act und Abschluss des Carambolage Kabarett und Kleinkunstfestivals des Karlstorbahnhofs trat Hagen Rether in der ausverkauften Stadthalle an

[Von Nils Herbstrieth]

Wow – Was soll man dazu nun schreiben? Das Spiel dauert 90 Minunten – Bei Hagen Rether entspricht das nur einer Halbzeit. 2 x 90 Minuten lang erklärte er in seiner typisch lässigen, beiläufigen, fast gelangweilten Art, die Welt. Mit Pause sind das 3,5 Stunden. Das Publikum war begeistert und geplättet.

Einen Bürodrehstuhl und einen Flügel, mehr braucht er nicht um uns den Irrsinn unserer Denke vorzuführen. Dazu noch ein paar Bananen – Bananenrepublik? Der Flügel blieb in der ersten Halbzeit ungenutzt, erst nach der Pause kam die musikalische Untermalung des gesprochen Wortes hinzu und Hagen Rether klimperte beiläufig aber gekonnt zu seinen präzisen Analysen des Weltgeschehens.

Thematisch gibt es eigentlich nichts was er auslässt: Merkel, Westerwelle, Flugreisen, Papst, FDP, Wulff, Religion, Waffengeschäfte, Diktatoren, Ängste, Aufstände, Demokratie, Medien, Obama, Terrorismus, Klimawandel, Nachhaltigkeit, Gesellschaft, sozial Schwache, finanziell Starke, denkende und nicht denkende, rechte, linke, evangelische, katholische und nette. Die netten sind ihm eigentlich am liebsten, einfach nur nett, gerade raus, mit einer gesunden Portion realistischer Selbsteinschätzung.

Hagen Rether schaut weg Foto: nh

Das Erstaunliche ist, dass er es zu jedem Thema fertig bringt die vielen Paradoxien herauszuarbeiten, die in unserem Handeln, unserer Einschätzung und Wahrnehmung verborgen liegen. Die Art und Weise wie er das tut, ist das Lustige daran. Der Wahnsinn, den er überall aufdeckt ist komisch, weil er so irrational ist. Die Realität als exaltierte Übertreibung ihrer selbst. Und irgendwann bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Denn das, was hier so läuft in Gesellschaft, Politik, Umwelt, Wirtschaft, Finanzwesen, Sozialwesen …. ist nun wirklich gar nicht lustig. Dabei geht es immer um uns und 80% des Publikums hat gar nicht gemerkt, dass es die ganze Zeit über sich selbst gelacht hat.

“Aber uns interessiert das alles nicht, denn wir gehören ja zu den Guten. Gähn.”

PS: Am 25.2.2012 kommt als Nachschlag noch Josef Hader nach Heidelberg. Auch sehr sehenswert.

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