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Wissenschaftliche Begleitung durch Geographisches Institut

Von Atossa Kamran

Prof. Ulrike Gerhard, Geographisches Institut Heidelberg

Die Internationale Bauausstellung Heidelberg (IBA) wird jetzt konkret. Unter dem Motto „Wissen-schafft-Stadt“ startet die Stadt Heidelberg gemeinsam mit der Universität am 4. und 5. Oktober 2012 ein Auftakt-Programm mit zahlreichen Veranstaltungen.

Die auf zehn Jahre angelegte IBA wird vom Geographischen Institut der Universität Heidelberg wissenschaftlich begleitet. Wie diese wissenschaftliche Begleitung aussehen wird, das erläutert Prof. Ulrike Gerhard vom Geographischen Institut im Interview mit der Stadtredaktion.

 

Die-Stadtredaktion: Die Internationale Bauausstellung Heidelberg (IBA) steckt in den Startlöchern. Das IBA-Thema heißt „Wissen schafft Stadt.“ Das Geographische Institut wird die IBA begleiten. Wie wichtig wird das Thema Wissenschaft im IBA-Prozess?

Prof. Ulrike Gerhard: Natürlich werden die universitären Einrichtungen Heidelbergs und damit die Wissenschaft eine ganz wichtige Rolle bei der IBA-Heidelberg spielen. Aber es wäre verkürzt, die IBA ganz darauf zu reduzieren. Es geht hier um mehr, nämlich um die Bedeutung von Wissen als wichtiger Baustein für Urbanität. Also um die Rolle und Zukunft der Stadt in der Wissensgesellschaft. Das heißt konkret, dass der Prozess der Stadtentwicklung im Rahmen der IBA längst nicht nur Wissenschaft, sondern eben auch Schulen, Bürgerinitiativen, Kultur und Andere als wichtige Akteure sieht. Trotzdem ist auch klar: Wir haben eine feste Rolle als wissenschaftliche Begleitung der IBA.

Die-Stadtredaktion: Und diese Rolle als wissenschaftliche Begleitung nimmt jetzt konkrete Formen an?

Prof. Ulrike Gerhard: Genau. Wir stehen ja in einem sehr engen Kontakt mit dem Stadtplanungsamt und mit weiteren Vertretern der Stadt. Und dabei haben wir uns überlegt: Wie soll eine solche wissenschaftliche Begleitung der IBA überhaupt aussehen? Was können wir machen, was können wir initiieren, und wie können wir damit an die Öffentlichkeit gehen? Aus diesen und anderen Überlegungen haben wir schließlich ein Konzept entwickelt.

Die-Stadtredaktion: Wie sieht denn das Konzept aus?

Prof. Ulrike Gerhard: Das Konzept besteht aus drei verschiedenen Säulen mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten. Die erste Säule evaluiert und schaut: Wie funktioniert die IBA, wer ist beteiligt und wie kommt sie bei den Bürgern an? Das ist eher klassisch. Aber: Wir wollen hier auch begleitend umfangreiche Befragungen machen, Netzwerke analysieren und Beobachtungen durchführen. Es geht hier darum, Studierende, Schüler und andere Experten ernsthaft miteinzubeziehen. Denn die haben oft ganz vielfältige Ideen. Es geht uns dabei darum zu erfahren, worüber die Leute überhaupt nachdenken und was sie bewegt: Gibt es Ängste, gibt es Sorgen? Wo möchte man mitreden und sich so beteiligen, sodass die Stadt lebenswerter wird? Das ist die erste Säule…

Die-Stadtredaktion: Ein Blick auf die zweite Säule…

Prof. Ulrike Gerhard: Hier geht es dann um wirkliche Forschungsprojekte. Projekte, die an den verschiedenen Instituten der Universität Heidelberg oder anderen Forschungseinrichtungen wie zum Beispiel die SRH Hochschule Heidelberg oder dem Städtebauinstitut der Universität Stuttgart zum Teil bereits laufen. Dabei ergibt sich dann eine schöne Gelegenheit für die IBA, auch Studierende zu begeistern. Denn die erfahren hier, dass ihre Befragungen im Rahmen der Lehrveranstaltungen einen hochaktuellen und ganz konkreten Bezug zur Stadtentwicklung Heidelbergs haben. Ganz klar, dass sich die Stadt für die Ergebnisse der Forschungen dann interessiert.

Die-Stadtredaktion: Können Sie hier ein konkretes Beispiel nennen?

Prof. Ulrike Gerhard: Gerne. Ein Thema ist jetzt in der SRH-Hochschule aktuell. Es geht um die Erdgeschoss-Zonen-Gestaltung im Neuenheimer Feld. Das ist ja einer der zentralen Orte des Wissens in Heidelberg. Im Unterschied zu den Standorten in der Altstadt kommt da nur gelegentlich Öffentlichkeit hin: Häufig bleiben wir unter uns. Wir bemühen uns zwar, immer wieder an die Öffentlichkeit zu gehen, aber das gelingt uns nicht richtig. Warum? Ein wichtiger Grund ist nicht zuletzt die bauliche Gestaltung von diesem Campus. Die muss anders werden: Es muss hier mehr Offenheit suggeriert werden, zum Beispiel auch für andere Institutionen wie Schulen. Warum nicht auch die mit ins Feld zu bringen? Mit diesen Ideen sind universitäre Einrichtungen als Wissensstandort nicht mehr abgekapselt vom Rest der Stadt, sondern ein fester integrativer Bestandteil des Stadtlebens. Und das baulich genauso wie inhaltlich. Wichtig für den Erfolg ist aber eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit.

Die-Stadtredaktion: Und die dritte Säule?

Prof. Ulrike Gerhard: Das ist die sogenannte „Think Tank-Säule“. Wir bilden quasi ein Netzwerk von Experten, die sich mit Stadtthemen und Urbanität beschäftigen. Diese Säule ist so eine Art Hintergrundorganisation für die IBA-GmbH. Sie wird das Kuratorium beraten, wenn die mal Fragen haben wie: Was sind denn gerade aktuelle Themen, wie kann man dieses und jenes evaluieren und erforschen? Dann sind wir als Think-Tank gerne da und geben Gutachten, Steckbriefe, oder einen State oft he Art-Beitrag ab.

Die-Stadtredaktion: Wie wird denn das alles finanziert?

Prof. Ulrike Gerhard: Die Forschungsprojekte werden von den jeweiligen Einrichtungen getragen. Für das wissenschaftliche Begleitkonzept wurden wir von der Stadt beauftragt. Das ist aber nur der erste Schritt: Wir müssen das Ganze nämlich auf breitere Schultern verteilen und stellen deshalb einen Antrag beim Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg. Die IBA- Begleitforschung muss noch mehr Mitarbeiter einstellen. Dieses Humankapital benötigt sie, um erfolgreich arbeiten zu können. Wir sind sehr optimistisch, dass unser Antrag durchkommt. Und dann hält uns nichts mehr auf!

Wissen-schafft-Stadt: informieren, erleben und mitgestalten

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