PIRATEN RNHD Kandidatenkolumne #6: Rüstungsexporte verantwortungsvoll und menschenrechtskonform gestalten!

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von Stevan Cirkovic

Das Thema Rüstungsexporte ist im Wahlkampf und in der breiten Öffentlichkeit angekommen. Und das ist gut so. Denn hier besteht Handlungsbedarf. In den letzten zehn Jahren konnte ich keinen zielführenden Schritt auch nur einer Regierungspartei erkennen, um Rüstungsexportkontrolle effektiver und verantwortungsvoller zu machen. Im Wahlkampf hören wir von dieser verheerenden Bilanz leider nur selten.

Die Piraten fordern eine grundlegend neue Ausrichtung der deutschen Rüstungsexportpolitik: Die Entscheidungsverfahren und ihre Ergebnisse sind einer tatsächlichen Kontrolle durch das Parlament und die Öffentlichkeit zu unterwerfen. Empfängerländer für Rüstungsexporte müssen überzeugend darlegen, dass sie die Menschenrechte achten und Weiterexporte denselben Kriterien unterwerfen.

Wie erreichen wir das?

  • Die bedingungslose Achtung der Menschenrechte in den Empfängerländern bildet den Kern neuer Genehmigungsstandards. Politische Stabilität, zivilie Kontrolle der Streitkräfte, gute Regierungsführung und eigene, restriktive Rüstungskontrollmechanismen in diesen Ländern sichern dieses Kriterium nachhaltig ab. Exporte in Spannungsgebiete erfolgen grundsätzlich nicht.
  • Ein starkes parlamentarisches Kontrollgremium erhält volle Akteneinsicht und, aufsetzend auf den vorgenannten Kriterien, ein Vetorecht für die Exportbewilligungen der Bundesregierung.
  • Umfassende und zeitnah veröffentlichte Rüstungsexportberichte stellen sicher, dass die Bürgerinnen und Bürger sich im Bedarfsfall in die politische Diskussion einmischen können. Diese Berichte legen alle erteilten Ausfuhrgenehmigungen, alle nicht bewilligten Anträge, den Verkauf und Transfer rüstungsrelevanter Software und Technologie, den Verkauf von Dual-Use-Gütern, Altbestandsverkäufe der Bundeswehr und die Erteilung von Nachbaulizenzen detailliert offen.
  • Für die Rüstungsindustrie werden Anreize für einen Umstieg in die zivile Tätigkeitsfelder geschaffen. Umgekehrt fallen Erleichterungen im militärischen Bereich weg: Hermes-Bürgschaften für Rüstungsgüter werden nicht mehr erteilt, Exportanträge und Voranfragen werden mit für die Antragsteller deutlich wahrnehmbaren Gebühren belegt, ein getrennte Rechnungslegung für zivile und militärische Geschäftsbereiche wird verbindlich eingeführt. Weitere Maßnahme sind zu prüfen.
  • Eine europaweit und international koordinierte Vorgehensweise sorgt für eine nachhaltige Umsetzung. Die Möglichkeit dazu hat die Bundesrepublik bereits nächste Woche in New York. Das Regelwerk der EU (“Gemeinsamer Standpunkt”, 2008/449) wird im Sinne der obigen Grundsätze konkreter gefasst und seine Umsetzung in nationales Recht wird verbindlich. Die Förderung der europäischen Rüstungsindustrie wird als Ziel gestrichen.

Eine Piratenfraktion im 18. Deutschen Bundestag wird ihre Gestaltungsmöglichkeiten im Rahmen der obigen Ziele einsetzen. Und wir werden es ohne politische Taktiererei und Parteienspielchen tun. Denn wenn es um Menschenrechte und letztendlich auch um Menschenleben geht, dann ist dafür kein Platz. Eine Selbstverständlichkeit?

Leider nein. Erinnern wir uns kurz an ein eindrückliches Beispiel aus dem Bundestag: DIE LINKE hatte im Bundestag beantragt, die Federführung für Rüstungsexportkontrolle vom Wirtschaftsausschuss zum Auswärtigen Ausschuss zu überführen. Die SPD stimmte mit Schwarz-Gelb dagegen. Dreißig Sekunden später stimmte DIE LINKE mit der Koalition gegen einen SPD-Antrag, der u.a. eine Offenlegung von Parteispenden von Rüstungsfirmen forderte. Wieder waren Themen und Inhalte politischer Taktiererei zum Opfer fallen. Eine Piratenfraktion im Bundestag hätte beiden Anträgen zugestimmt – ungeachtet von welcher Partei sie kommen. Und für einen eigenen Gesetzesvorschlag ist mit den Eckpunkten von oben bereits der Grundstein gelegt.



5 total comments on this postIhren hinzufügen
  1. “Rüstungsexporte veranwortungsvoll und menchenrechtkonform gestalten.” Was für ein entsetzlicher Satz als Überschrift. Habe sowas lange nicht mehr im seriösen Bereich der Medien gelesen…

    Die nicht sehr intensive Steigerung wäre: Tötungen und Morde, zum Beispiel mit Drohnen, verantwortungsvoll und menschenrechtskonform gestalten.

    Also was jetzt? Das Geschäft mit Rüstung akzeptabel gestalten?

    Beste Grüße
    Fritz Feder
    z.Zt. Honduras

  2. Wie verträgt sich das eigentlich, wenn der Staat seinen Bürgern die Waffen aus der Hand nehmen will und gleichzeitig den Export von Waffen in Krisenländer zuläßt. Wasser predigen und Wein trinken. Reicht es dann “Arbeitsplätze” zu rufen? Das massenhafte und immer effektivere Töten im Ausland sieht man ja nicht. Wieder sehen wir, dass staatlicherseits nichts Gutes mehr kommt. Hier soll deutlich werden, dass über einen schrecklichen Amoklauf rauf und runter berichtet wird und endlose Debatten geführt werden, dass “dem Bürger” das Schießeisen genommen werden muss. Geradeso als wären wir alle bis an die Zähne bewaffnet. Dann aber werden Raketen, Bomben und Granaten exportiert. Darüber wird diskutiert als wäre es ganz normal. Diejenigen die es in der Hand haben dieses Ungleichgewicht zu justieren, sind wir Bürger. Wir müssen nur immer wieder diese Dinge ansprechen. Dies auch außerhalb vom Stammtisch.

  3. Lieber Herr Feder,

    danke für Ihren Kommentar. Ich glaube, dass Sie mich und die Position der Piraten grundlegend missverstehen.

    Ich halte die derzeitige Bewilligungspraxis für verwerflich. Deswegen habe ich hier Vorschläge unterbreitet, um diesen Umstand zu beheben. Bis diese Änderungen nicht umgesetzt worden sind, sollten keine weiteren Waffen an sogenannte Drittländer exportiert werden dürfen. Das sind Nicht-NATO- und Nicht-EU-Staaten. Mit dieser Position sind Exporte in Spannungsgebiete und Länder mit zweifelhafter Menschrechtslage nicht mehr zu machen.

    Die aktuelle Praxis ist weder verantwortungsvoll noch menschenrechtskonform. So viel ist klar. Mit der Umsetzung genannter Punkte im Text sehe ich uns allerdings auf einem guten Weg und glaube, dass das Ziel erreicht werden kann.

    Meine Stellung zu Drohnen, die eine ganz andere ist, als sie offenbar glauben, können Sie hier nachlesen: http://aussensichten.de/archives/3-Die-Illusion-vom-sauberen-Krieg.html.

    Lieber Herr Schmidt,

    Wenn Sie fragen, wie sich der Export in Spannungsgebiete rechtefrtigen lässt, dann lautet meine Antwort: Gar nicht. Und dass die Rüstungsindustrie ein wichtiger Wirtschaftszweig sei, den man schützen müsse, sehe ich auch nicht so. Ich setze mich daher sogar dafür ein, sie abzubauen. Wie das geschehen soll, ist auch erklärt. Daher kann ich mich absolut hinter Ihr Statement stellen, Herr Schmidt.

    Kanzlerin Merkel sagt in der aktuellen Debatte um Waffenlieferungen an die syrische Opposition, dass diese den Konflikt sogar verschärfen könnten. Recht hat sie. Paradoxerweise spricht sie sonst von “Stabilität” und begründet natürlich wie auch kein anderer Befürworter des Status quo in der Rüstungspolitik nicht, wie diese durch Panzer erreicht werden kann. Nicht Sicherheit und Stabilität ist die Bedingung von Entwicklung, sondern Frieden. Den Unterschied sehen leider zu wenige und hinterfragen auch nicht die fragwürdigen Begründungen hinter der aktuellen Rüstungsexportpolitik.

    Viele Grüße
    Stevan Cirkovic

  4. Lieber Herr Cirkovic,

    das Missverständnis, denke ich, ist Ihrerseits. Ich habe lediglich eine Überschrift kritisiert, die mir zu unsensibel erschien.

    beste Grüße
    Fritz Feder
    z.Zt. Honduras

  5. Danke für Ihre Rückmeldung. Wenn Sie kein Problem mit dem eigentlichen Text haben, dann ist mir das so rum lieber als andersrum. Die Überschrift ist wohl
    tatsächlich suboptimal, wenn sie den Gedanken der Kolumne so wenig repräsentiert.

    Stevan Cirkovic

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