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Erstes Sommerspektakel 1983 auf dem Wilhelmsplatz

Erstes Sommerspektakel 1983 auf dem Wilhelmsplatz

(wg) Das beliebte und immer wieder gut besuchte Stadtteilfest „Sommerspektakel“ auf dem Wilhelmsplatz in der Weststadt feiert dieses Jahr ein stolzes  Jubiläum. Ob es nun 30, 31 oder 32 Jahre  und was die Ursprünge dieses Festes sind, darüber gehen die Meinungen auseinander. „Laut Zeitungsarchiv der RNZ lassen sich die Anfänge des Festes bis zum 4.Juli 1984 zurückverfolgen“, heißt es auf der offiziellen Veranstalterinternetseite des Sommerspektakels (SPD Weststadt). Tatsächlich gab es dieses Fest bereits 1983. Als Veranstalter trat der 1983  gerade neu gegründete, damals noch „linksalternative“ Verein „KULTURFENSTER“ auf. Hinter dem Kulturfenster standen die  „KJG St.Bonifatius im Exil“  und StudentInnen des Erziehungswissenschaftlichen Seminars  Heidelberg. Das spricht also für 31 Jahre. Würde man hingegen das SPD Straßenfest von 1982 vor der Christuskirche als Ursprung nehmen, wären es sogar 32 Jahre. Richtig ist auf jeden Fall: 1984 fanden zwei Gruppierungen zusammen, um ein erfolgreiches Stadtteilfest gemeinsam auszurichten. Grund genug, recht zahlreich das Jubiläum vom 27.6.2014 bis zum 29.6.2014 auf dem Wilhelmsplatz zu feiern. Über die stadtteilhistorischen Hintergründe dieses Festes werden wir nochmals ausführlicher berichten. Passend zur Ausstellung der  „Wilden 70 er Jahre“ in Heidelberg.

Hier geht es zum Programm des Sommerspektakels 2014

Für Nostalgiker:  Bilddokumente aus den Jahren 1982, 1983 und 1984

Bilder von Heinz B. Zeller und Angelika Binding

1982 und 1983 veranstaltete der SPD Ortsverein Weststadt ein eintägiges Straßenfest vor der Christuskirche in der Weststadt. 1983  fand dieses Straßenfest am gleichen Wochenende,  einem Sonntag,  nach  dem 2 tägigen Sommerspektakel ( Freitag und Samstag), statt. Sonntags stießen die Akteure des Sommerspektakels zum Straßenfest der SPD hinzu. Auf diese Weise kam es dann zur gemeinsamen dreitägigen Veranstaltung 1984.

Das erste Sommerspektakel des KULTURFENSTERS im Jahre 1983 wurde erst nach heftigen Auseinandersetzungen mit der Heidelberger Stadtverwaltung genehmigt. Denn diese Art von alternativer Stadtteilkultur war dem damaligen OB Zundel mehr als suspekt. Sowohl das KULTURFENSTER als auch die Idee zu einem „alternativen“ Stadtteilfest wären allerdings ohne die „KJG St. Bonifatius“ nicht entstanden. Dieser katholische Jugendverband in der Weststadt wurde wegen seiner „links-emanzipatorischen Umtriebe“ seit Ende der 60 er Jahre schließlich im Jahr 1972 aus der Gemeinde St. Bonifatius „vertrieben“.  Er ging aber nicht unter. Bis ca. 1982 organisierte er  selbstverwaltete Jugendarbeit ( im sogenannten „WALZENKELLER“ in der Gaisbergstraße)  und gründete schließlich Anfang 1983 das KULTURFENSTER. Das „Sommerspektakel“ war also einer der ersten größeren Veranstaltungen des KULTURFENSTERS.  Konzipiert als Alternative zum bierseeligen  „CDU  und Stadteilvereinsweststadtfest“, das es seit 1973 gab.

Das Sommerspektakel zeichnete sich vor allem aus, weil es sehr kinderfreundlich war. Die Interessen von Kindern spielten bei dem Fest eine wichtige Rolle. In den 80 er Jahren war das bei Stadtteilfesten keine Selbstverständlichkeit. Der Umgang mit Kindern war sehr ungezwungen,wie man auf den Bildern sehen kann.Manches wäre heute kaum noch denkbar.

Das Kulturprogramm wurde vor allem von örtlichen Kleinkünstlern, MusikerInnen, Kabarettgruppen usw. getragen.

Politische Initiativen, nicht nur aus dem kommunalpolitischen Kontext – allerdings keine Parteipolitik- waren immer sehr willkommen, ihnen bot man bewusst eine öffentliche Plattform. In den Anfangsjahren war es selbstverständlich, dass die SPD keinen  SPD Sonnenschirm mit ihrem Logo aufstellt.  Es waren dann schließlich die Grünen, die dieses parteipolitische Tabu mit einem Grünen-Sonnenschirm an ihrem Infostand verletzten. Sehr zum Missfallen der SPD. Das KULTURFENSTER war im übrigen starker Kritik aus der linksalternativen Szene ausgesetzt, weil sie gemeinsame Sache mit den „SPD Reformisten“ machte. Pädagogik, Politik und Kultur gehörten also irgendwie immer zusammen. Politische Großkonflikte hinterließen in den 80 und 90 er Jahren allerdings auch ihre Spuren (Kosovo): Sie führten zu Abspaltungen auf der Veranstalterseite. Die Rot-Grüne Kriegspolitik war für wesentliche Akteure nicht mehr akzeptabel.

Umweltbewusstsein wurde  immer sehr hoch gehalten.  Schon 1984 verzichteten die Festorganisatoren als erstes Stadtteilfest in Heidelberg auf Einweggeschirr.  Lange bevor das zum üblichen Standard auf Heidelberger Straßenfesten wurde. Und das ohne die heute nicht mehr wegzudenkende technische Hilfsstruktur von Spülmobilen und ähnlichem. In späteren Jahren gab es  allerdings auch eine heftige Auseinandersetzung um die Frage, ob die Bratwürste nur aus biologisch und ökologisch korrekter Produktion kommen dürfen. Oder ob man die bewährten „Ungerbratwürste“ beibehalten sollte. Dieser  „Bratwurstkrieg“ging dann zu Gunsten des Stadtteilmetzgers aus.

Und überhaupt: Hätte man 1983 die heutigen hygienischen und gewerberrechtlichen Anforderungen einhalten müssen, gäbe es das Sommerspektakel nicht.

 

 




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