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Ein „entnazifizierter Mitläufer“ oder ein “Unbelasteter” mit Parteibuch?  Amtszeiten (1929-1945; 1952-1958)

In unserer Reihe:  Heidelberg – deine Oberbürgermeister

/ von Marlene Iro /

Carl Georg Hermann Neinhaus (* 20. März 1888 in Hochemmerich, +14. November 1965 in Stuttgart)  war ein deutscher Jurist und Politiker (NSDAP, CDU). Er ist unter allen Oberbürgermeistern Heidelbergs zweifellos der umstrittenste, von der Nachwelt hoch geehrt und tief geschmäht –  und wahrscheinlich beides zu Recht. Neinhaus war ein “loyaler Diener”, der die Stadt in drei verschiedenen politischen Systemen lenkte und hütete. Wie ein roter Faden zieht es sich durch sein Leben und diente immer wieder zu seiner Verteidigung: jegliche politische Anpassung an alles – zum Wohle seiner geliebten Stadt.

Neinhaus-jungDer schlimmste Vorwurf, der ihm gemacht wurde: die Preisgabe von jüdischen Mitbürgern – an die Mörder – um seine Heimatstadt zu schützen und vor Vergeltung zu bewahren. Dieser Artikel will nicht richten, er will nur aufzeigen, welches politische Leben dieser Mann geführt hat und hinweisen auf die politische und wissenschaftliche Kontroverse über seine Schuld, seine Verdienste, seine “Flexibilität” in jeder Beziehung.

Nach dem Abitur in Duisburg studierte Neinhaus in Heidelberg und Bonn Jura und Volkswirtschaft und promovierte 1919 in Bonn zum Dr. jur. Danach wurde er Beigeordneter der Städte Homberg/Niederrhein und Barmen und bei der Zentralstelle des Deutschen und Preußischen Städtetags in Berlin (1920).

Im Februar 1929 wurde Neinhaus als parteiloser Kandidat von allen Fraktionen des Bürgerausschusses (außer der KPD) zum Oberbürgermeister von Heidelberg gewählt – von immerhin 70 Bewerbern!  Seine Fachkompetenz stellte er bei der Sanierung des städtischen Haushalts im Stil der Brüningschen Sparpolitik unter Beweis, seine Republiktreue bekundete er am Verfassungstag.

Die 1. Amtszeit von Neinhaus fiel in die schlimmen Krisenjahre der Weimarer Republik. Trotz rigoroser Sparmaßnahmen konnte sich die Bilanz seiner Tätigkeit sehen lassen. Ob er nach der Machtübernahme tatsächlich von der Bevölkerung zur Weiterführung seines Amtes gedrängt wurde oder ob er sein Amt retten wollte, bleibt unklar. Er trat am 1. Mai 1933 in die NSDAP ein. Die Rivalität zwischen OB Neinhaus und Kreisleiter Wilhelm Seiler sollte die nächsten Jahre bestimmenDer OB wollte die Interessen der Stadt gegen die politischen Ansprüche der Partei verteidigen. Dass die Berufung anerkannter Fachleute für die Leitung des Kurpfälzischen Museums und des Archivs ohne Seilers Zustimmung erfolgte, war recht erstaunlich. In all  diesen  Jahren hielt Neinhaus engen Kontakt mit Dr. Richard Benz, Dr. Fritz Henn und anderen Persönlichkeiten der Stadt, die konträr zum NS-Regime standen.

Bei der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde er als einziger Bürgermeister in Baden-Württemberg in seinem Amt belassen – und dies bis zum Ende der NS-Diktatur – auch durch eine Reihe von Zugeständnissen an die örtliche NSDAP (Eintritt in die Partei, Ehrenbürgerschaft für Hitler 1933). Er verstand es durchaus, sich in vielen Bereichen der Rathauspolitik energisch gegenüber der Kreisleitung zu behaupten, ohne jedoch an seiner Ergebenheit dem Regime gegenüber Zweifel aufkommen zu lassen.  Er pflegte  auch einen regen Umgang mit Parteigrößen. Besonders kritisch wird die Tatsache gesehen – nicht dass er seit 1933 Partei-Mitglied war – sondern dass er bereits im Jahre 1933 Hitler und 1939 Goebbels zu Ehrenbürgern von Heidelberg ernannte.

Zweifellos muss man anerkennen, dass Neinhaus die Geschicke der Stadt in dieser schwierigen Zeit mit Geschick und Weitsicht lenkte. Aber es gibt auch die andere Seite seines Wirkens in der Nazi-Zeit. Die Probleme seiner Wahl-Heimatstadt hatten für ihn absolute Priorität gegenüber humanistisch-ethischen Verpflichtungen. 

Seine Amtsführung war gekennzeichnet sowohl von partieller Resistenz als auch von antisemitische Vorstößen gegen einzelne Heidelberger Bürger. Ende März 1945 machte er sich durch die kampflose Übergabe Heidelbergs an die amerikanischen Truppen verdient. Kurz zuvor hatte er brisante Akten im Rathaus vernichten lassen.  Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er von der amerikanischen Militärregierung als Oberbürgermeister abgesetzt;  7. bis 19. April 1945: Haft im Faulen Pelz.

Entnazifizierung

neinhaus-altIn zwei Entnazifizierungsverfahren wurde N. zunächst als „Mitläufer“ (1947), dann als „Entlasteter“ (1949) eingestuft, nachdem sich eine Reihe prominenter Heidelberger in Anbetracht seiner kommunalpolitischen Leistungen für ihn eingesetzt hatte.Damit war der Weg geebnet für die Fortsetzung seiner Karriere, die Neinhaus  in drei politischen Systemen gelang. Neinhaus trat der CDU bei, wurde 1950 Mitglied des Landtags von Württemberg-Baden und 1952 baden-württembergischer Abgeordneter.  1952 wurde er als CDU-Kandidat in direkter Wahl mit 50,9% der Stimmen erneut zum Oberbürgermeister gewählt. Jetzt konnte er einige schon früher in die Wege geleitete Projekte – wie die Verlegung des Hauptbahnhofs nach Westen – realisieren. Bis zum Jahre 1958, als er von Robert Weber abgelöst wurde..

„Er war ein typischer Mitläufer und unbedeutender Charakter, aber ein tüchtiger Bürgermeister” (so urteilte Karl Jaspers, dem 1937 die Lehrbefugnis an der Universität Heidelberg entzogen worden war).

Bei der Trauerfeier zu seinem Tode wurde er von seinem Nachfolger im Amt Robert Weber als „ein souveräner und allseits respektierter Repräsentant unserer Stadt …” bezeichnet, “der für immer in die Geschichte Heidelbergs eingehen wird”.

Person und Lebenswerk von Neinhaus sind schwer zu bewerten – was bleibt: In seine Amtszeiten als Oberbürgermeister fallen der Bau von Großmarkthalle, Thermalbad, Fernheizwerk und Ehrenfriedhof auf dem Königstuhlausläufer. Er war fachlich hochqualifiziert und repräsentierte gerne. Umstritten ist sein Handeln als Oberbürgermeister im Nationalsozialismus. Ihm wird Anpassung an dessen Ideologie vorgeworfen. Bei alteingesessenen Heidelbergern herrschte zu der Zeit die Meinung vor, dass Neinhaus kein echter Nazi war und in gewisser Rivalität zum örtlichen NSDAP-Leiter Wilhelm Seiler agierte. Das ist durch zahlreiche Quellen belegt.

Die Kritik an Neinhaus ist deutlich und berechtig(siehe u. a. „Heidelberger Geschichtsvereins“). Man warf ihm vor: seine schnelle Anpassung an die jeweiligen politischen Verhältnisse, seine Rolle bei der Verfolgung und Entrechtung der jüdischen Bürger Heidelbergs, und besonders seinen reibungslosen Systemwechsel 1933 und den Eintritt in die NS-Partei, der Vorbildfunktion für viele Bürgerliche der Stadt hatte. Anlässlich des 50. Jahrestages der Übergabe Heidelbergs an die Amerikaner kam es in der RNZ zu einer Diskussion, ob man Retter der Stadt mit Straßennamen ehren solle, was die Kritiker im Falle Neinhaus vehement ablehnten.

Gruppemit-NeinhausAufgrund von neueren Quellen (siehe unten: Ferdinand, Horst,) lässt sich die  Behauptung, Neinhaus habe die Judenpolitik der Partei überlassen, so eindeutig nicht länger aufrecht erhalten. Unter anderen sprechen auch die Aktivitäten von Dr. Paul Hirsch, einem Heidelberger Juden, der nach der Verhaftung Neinhaus‘ durch die Amerikaner unermüdlich Unterschriften für dessen Freilassung sammelte und tatsächlich sein Ziel erreichte, für sich – und in diesem  Falle eindeutig für Neinhaus.

Hinsichtlich der Rettung Heidelbergs besteht kein Zweifel, dass Neinhaus dabei eine bedeutende Rolle spielte.  Zusammen mit anderen leistete er hier einen wesentlichen Beitrag. Besonders die geistige und kulturelle Elite der Stadt setzte sich für Neinhaus in der Nachkriegszeit ein – Dr. Hirsch, die Professoren Frommel und Hoepke, Dr. Benz, O. Erhardt, Dr. Henn, Dekan Maas, Ph. Schellmann, Prof. Poppen – und das wohl nicht nur aus reiner Gefälligkeit. Die Urkunde zur „Ehrenbürgerschaft “ stellt den „besonderen Anteil“  Neinhaus an der Rettung Heidelbergs vor der Zerstörung heraus, vermeidet aber richtigerweise das Wort „Retter“.

In neueren Darstellungen wird dafür plädiert, Neinhaus in den politischen Zusammenhang und das Denken seiner Zeit zu sehen. Er war preußisch-konservativ; Tugenden wie Pflichtbewusstsein, Ordnungsinn, waren für ihn Zeit seines Lebens verbindlich. Dass Neinhaus patriotisch dachte, war damals in Europa üblich, in Deutschland nach Versailles ganz besonders. Die Nationalkonservativen in Deutschland, denen Neinhaus zuzurechnen ist, hatten in ihren politischen Vorstellungen vieles mit den Nationalsozialististen gemein: Versagen der Weimarer Republik , die „Schmach von Versailles“, Ablehnung des westlichen Parlamentarismus. So konnten die Nazis ihn sich dienstbar machen und für ihre Ziele gebrauchen (oder missbrauchen). Die grundlegende Wandlung hin zur parlamentarischen Demokratie erfolgte bei Neinhaus nach 1945, ob aus Opportunismus oder aus seinen Erfahrungen von 1933-1945, bleibt dahin gestellt.

„Nicht auszudenken, wie wir Heidelberg aus den Händen eines echten nationalsozialistischen Oberbürgermeisters übernommen hätten“ stellte Dr. R. Benz damals fest. Er sieht Neinhaus als „Kind seiner Zeit“ und begründet daraus sein Denken und  Handeln. Die  Neinhaus-Kritiker argumentieren hier aber mit seiner persönlichen, politischen Verantwortung und seiner ethisch-moralischen Verpflichtung.

Denn auch solche Worte gab es:

Aus der Rede des Oberbürgermeisters Dr. Carl Neinhaus zur Grundsteinlegung der Thingstätte, 30. 5.1934  (Heidelberger Volksblatt, 1. Juni 1934;  zit. nach „Handschuhsheimer Geschichtswerkstatt e.V.“).

Mit zwei weithin sichtbaren Werken verleiht das nationalsozialistische Heidelberg seinem Sein den Sinn großer deutscher Zeiten; mit dem Heldenfriedhof …. verewigt es das Gedenken an den großen Krieg und an seine in ihm gefallenen Söhne; mit der Thingstätte am Heiligen Berg beschwört es den Geist germanisch-heldischer Vorzeit.”

Von der jungen Mannschaft unseres Volkes in freiwilligem Ehrendienst aus deutscher Erde geschaufelt,… erwächst diese Thingstätte am Heiligen Berg als wirksamste Waffe im Kampf um der deutschen Volkwerdung ureigenstes Geheimnis, erwächst diese Thingstätte zur jungen Künderin und Priesterin im Dienst am ewigen, heiligen Volk und Reich der Deutschen und vor allem an seiner Jugend…“ 

Mitläufer oder Unbelasteter?

220px-Carl_neinhaus_grab (1)Dr. Carl Neinhaus wurde von den Amerikanern 1947 zunächst nur als Mitläufer eingestuft, lebte zurückgezogen oben auf dem Kohlhof und verfasste ein 62-seitiges Dokument zur Rechtfertigung seines Wirkens in der NS-Zeit . Dieses enthielt auch etwa 60 “Fürsprachen“ von namhaften Heidelberger Bürgern ( u.a. der evangelische Prälat H. Maas). So kam es 1949 zur Revision des bisherigen “Urteils” und Neinhaus wurde nun als “Unbelasteter” eingestuft. Und damit war der Weg in die Politik wieder frei. Nach dem Tod von Hugo Swart wurde Carl Neinhaus 1952 als Kandidat der CDU im ersten Wahlgang mit 52,9 % wieder zum Oberbürgermeister gewählt.

Es mag verwundern, dass diese “Wiederaufnahme” seiner Polit-Karriere so schnell wieder möglich war. Dies lässt sich zum Teil durch die für diese Zeit typische resignierte Gleichgültigkeit gegenüber Politik und Entnazifizierung erklären. Aber vor allem ist sie das Ergebnis von einer großen ” städtischen Fürsprache”.   

Quellen: Horst Ferdinand: Carl Neinhaus (1888-1965). Aspekte einer umstrittenen Biographie. St. Augustin, 2002,; Leena Ruuskanen, Der Bergfriedhof im Wandel der Zeit, Schriftenreihe der Stadt Heidelberg, 2008; Helmut Loho, in: Badische Heimat 2/2003; Rezension).

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare
  1. Es ist wohl schon so, wie eine alte Heidelbergerin neulich sagte: „Wir standen als Kinder am Fenster und mussten zuschauen, wie unsere juedischen Freunde abgeholt wurden. Mit uns sollte der OB mal reden und nicht nur Altennachmittage feiern. So verkalkt sind mir nämlich nicht.“

  2. In den 1980er Jahren habe ich bei Stadtführungen erlebt, dass kritische Äußerungen zu OB Neinhaus auf heftigen Widerstand stießen. Das änderte sich deutlich in den 1990er Jahren. Vor etwa einem Jahrzehnt verschwand auch sein Ölporträt im Rathaus. Solche offenkundigen Paradigmenwechsel sind allerdings nie endgültig, wie der Neinhaus-Artikel von Marlene Iro demonstriert. Erneut erscheint hier Neinhaus als große Persönlichkeit, über die aufgrund seines NS-Engagements allerdings nur schwer zu urteilen sei. Und er habe 1945 die friedliche Übergabe der Stadt herbeigeführt.
    Iros rehabilitierender Beitrag beruht freilich auf sehr lückenhafter Recherche. Neben ein bisschen Wiki-Wissen ist die Neinhaus-Biografie von Horst Ferdinand die Hauptquelle, der Iro mehrfach das Attribut „neuere“ Forschung zuspricht. Ferdinand stützt sich fast ausschließlich auf die Entnazifizierungsakten. Es ist allgemein bekannt, dass Deutschland nach 1945 eine Art nazifreie Zone war, wenn wir nur die Entnazifizierung betrachten. Zwar müssen auch die dort verhandelten Aspekte in die Beurteilung einbezogen werden, entscheidend sind aber die belegbaren Aktivitäten im Rahmen der NS-Herrschaft.
    Frank Moraw hat 1996 den Fall der städtischen Fürsorgerin Therese Wiesert dokumentiert, die Neinhaus entlassen hatte, weil sie Umgang mit jüdischen Familien hatte. Ich selbst habe 2003 Neinhaus‘ rassistisches Vorgehen gegen die Heidelberger Sinti nach den Akten rekonstruiert. Irgend ein Gegensatz zwischen NS-Partei und Neinhaus ist in beiden Vorgängen nicht zu erkennen; vielmehr tritt Neinhaus hier als linientreuer NS-Aktivist auf (Frank Moraw: „Heidelberg im Zeichen der Nürnberger Rassengesetze”, Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt 1, 1996, S. 195–203; Hans-Martin Mumm: „XXII Polizei. Nr. 2 Sicherheit. Massnahmen gegen Zigeuner“. Carl Neinhaus und die Heidelberger Sinti 1935/36, Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt 8, 2003/04, S. 89–95).
    Offensichtlich hat sich die Autorin des Neinhaus-Beitrags an ihrem Thema verhoben. Ohne sorgfältige Recherche der Quellen und der Literatur lässt sich nun mal kein tragfähiges Urteil gewinnen.
    Völlig ratlos machen aber ein paar Formulierungen allgemeiner Art. Etwa ein Satz wie dieser:
    „Die Probleme seiner Wahl-Heimatstadt hatten für ihn absolute Priorität gegenüber humanistisch-ethischen Verpflichtungen.“
    Gerne überlasse ich die Deutung dieses Satzes den Nutzerinnen und Nutzern der „Stadtredaktion“. Mich würde eine Deutung nur wütend machen.

  3. Selbstverständlich kann und darf man das Leben und Wirken von Carl Neinhaus nicht ohne sein opportunistisches Verhalten und Mitwirken in der NS-Zeit betrachten, man sollte es aber auch nicht darauf reduzieren. Den Vorwurf, der Artikel erwecke den Eindruck einer relativierenden oder gar beschönigenden Haltung zu Neinhaus, mag ich nicht teilen.
    Ich bin sicher, dass die Leser auch ohne Formulierung einer Mahnung die richtigen Schlussfolgerungen aus der „Lebensleistung“ von Neinhaus ziehen.

  4. Wolfgang Gallfuß‘ Kritik an dem beschönigenden Artikel über den Nazi-OB Carl Neinhaus kann ich mich nur aus ganzem Herzen anschließen !

  5. Als ehrenamtlicher Mitarbeiter der STADTREDKTION ist es mir wichtig darauf hinzuweisen, dass ich die Ausführungen von Marlene Iro zu Neinhaus vor der Veröffentlichung nicht gelesen habe. Ich hätte diesen Artikel in der Form und im Inhalt weder so geschrieben noch zur Veröffentlichung frei gegeben.

    Der Artikel findet aus verschiedenen Gründen nicht meine Zustimmung. Insbesondere wird mehrmals der Holocaust sowohl sprachlich als auch durch die „kommunalpolitischen Leistungen“ von Neinhaus relativiert. Das war schon nicht 1945 und ist noch weniger 2014 akzeptabel. Ich weiß, dass dies nicht der politischen Haltung von Frau Iro entspricht. Umso bedauerlicher sind einige Ausführungen im Artikel, die den Eindruck von Relativismus aufkommen lassen.

    Neinhaus heute noch als „Retter“ von Heidelberg hinzustellen,kann man heute nicht unwidersprochen stehen lassen. Immerhin hat er sich 12 Jahre lang als kommunalpolitisch verantwortlicher und aktiver Teil der nationalsozialistischen Politik betätigt.In seinem kleinen politischen Sprengel trug er – sicherlich auch mit Zustimmung wesentlicher Teile der Heidelberger Stadtgesellschaft -seinen Teil zum Niedergang von Demokratie und Menschlichkeit und damit auch zur Zerstörung deutscher Städte bei. Das ist die bleibende negative Leistung dieses Oberbürgermeisters als gnadenloser politischer Opportunist. Das herauszustellen und als Mahnung zu formulieren, hätte ich mir als eine der notwendigen Schlussfolgerungen aus dem Wirken von Neinhaus gewünscht.

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