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Oleg Sentsov(wg) Gerd Guntermann, Mitglied im Vorstand des Freundeskeises Heidelberg – Simferopol, bittet um Unterstützung für eine Solidaritätsaktion für den Simferopoler Filmschaffenden Oleg Sentsov. Er ist seit ca. einem dreiviertel Jahr in Untersuchungshaft, weil er sich gegen die Annexion der Krim durch Russland wehrt. Amnesty International und Filmschaffende fordern die Freilassung von Oleg Sentsov. Gerd Guntermann sammelt  in Heidelberg Unterschriften.  DIE STADTREDAKTION unterstützt dies gerne und wird  eine Onlinepetition eingerichten, wo man eine Eingabe an die Russische Regierung unterstützen kann. Morgen dazu mehr. Den Text der Eingabe ist am Ende des folgenden Artikels von Gerd Guntermann zu lesen.
Freiheit für Oleg Sentsov

von Gerd Guntermann, Heidelberg

In den 1980er Jahren bemühten sich Akteure der Heidelberger Friedensbewegung, eine Partnerschaft mit einer Stadt der damaligen Sowjetunion zu erreichen, um auf bürgerschaftlicher Ebene die Fronten des Kalten Krieges aufzuweichen. Kurz vor Ende der SU kam es über diplomatische Kanäle zur Partnerschaft mit der Hauptstadt der Krim Simferopol, seit 1991/92 offiziell besiegelt. Im Februar/März wurde die Krim, bis dahin autonome Republik der Ukraine, durch von Moskau via Sewastopol dirigierte Para- und offizielle Militärs besetzt und mittels eines gefakten Referendums völkerrechtswidrig an Rußland angeschlossen. Das „Heidelberg-Zentrum“ in Simferopol, finanziert von der Manfred-Lautenschläger-Stiftung, ist u.a. Treffpunkt der Krim-Organisationen ehemaliger Zwangsarbeiter. Das einst dort befindliche „Deutsche Sprachlern-Zentrum“ hat sich andere Räumlichkeiten gesucht.

Während der andauernde Krieg mit den Separatisten in Teilen der Ost-Ukraine die Medien beherrscht, droht einem Bürger von Heidelbergs Partnerstadt das schlimmste, was einem politischen Gefangenen widerfahren kann: vergessen zu werden.

Der bereits international bekannte junge ukrainische Filmregisseur und Autor Oleg Sentsov war nach der Annexion der Krim nicht aus seiner Heimatstadt geflohen. Als Maidan-Aktivist, der sich für demokratische Verhältnisse in der Ukraine, gegen das korrupte System und danach gegen die russische Annexion ausgesprochen hatte, geriet er schnell ins Fadenkreuz des nun auch auf der Halbinsel aktiven russischen Geheimdienstes FSB. In der Nacht zum 11. Mai wurde der alleinerziehende Vater festgenommen, mit übergestülpter Plastiktüte fast erstickt und ins berüchtigte Moskauer Lefortowo-Gefängnis verschleppt. Am ersten Tag der Festnahme wurde er stundenlang gefoltert, mit einem inszenierten Selbstmord als Sprung aus dem Fenster und Vergewaltigung bedroht.

Mit den absurdesten Beschuldigungen soll er für einen offenbar großangelegten Prozeß belastet werden, der im Oktober stattfinden sollte. Die Untersuchungshaft wurde jedoch bis Januar 2015 verlängert, damit die Ermittlungsorgane in bester KGB/NKWD-Tradition noch genügend Material erfinden können, um Sentsov für die nächsten Jahre ins Lager oder Gefängnis zu bringen. Er soll unter anderem geplant haben, die Lenin-Statue und die „Ewige Flamme“ in Simferopol als Mitglied einer Terror-Gruppe des „Rechten Sektors“ in die Luft zu sprengen.

Plötzlich ist alles wieder gegenwärtig: die Denunziation, die Folter, die Konstruktion unglaublichster Verdächtigungen – am Ende der Schauprozeß mit Demütigungen des Beschuldigten, von denen sich Bürger eines Rechtsstaates kaum Vorstellungen machen können.

Wer sich mit der Stalin-Herrschaft und den Schauprozessen im Moskau der 30er Jahre beschäftigt hat, der wird viele Parallelen entdecken. Das Putin-Regime ist auf dem besten Weg: „Vorwärts in die Vergangenheit!“ (Klaus Staeck).

Zum Glück gibt es noch rechtschaffene Anwälte und spärliche Reste einer unabhängigen Berichterstattung im Fernsehkanal „Doschd“, der bezeichnenderweise seit einigen Monaten nur noch per Internet zu empfangen ist. Dort wurde Oleg Sentsovs Aussage vor Gericht dokumentiert: „…Alle Anschuldigungen gegen mich sind aus politischen Gründen fabriziert worden…Ich bin und bleibe ukrainischer Staatsbürger. Ich bin kein Leibeigener, den man mit dem Wechsel des Landes unter eine andere Herrschaft übergibt.“

Diese mutige Äußerung sollte verbreitet werden, damit am Tag seiner Verurteilung niemand sagen kann, man habe nicht gewußt, zu welch schreiendem Unrecht Putins Willkür-Justiz in der Lage ist.

Wenn wir schweigen und zulassen, daß Menschen wie Sentsov aus Heidelbergs Partnerstadt verschwinden, machen wir uns mitschuldig.

Wim Wenders, Volker Schlöndorff, Andrzej Wajda, Pedro Almodovar und andere Filmschaffende haben für die Freilassung ihres Kollegen protestiert.Die Berliner Akademie der Künste hat den russischen Botschafter aufgefordert, der Moskauer Führung zu verdeutlichen, daß die fortdauernde Inhaftierung Oleg Sentsovs dem Ansehen Rußlands in der Welt nur noch mehr Schaden zufügt.

Sentsov ist von Amnesty International adoptiert worden. Siehe hier und hier und Wikipedia . Artikel in der TAZ.

Setzen Sie sich ein, dass Oleg Sentsov wieder frei gelassen wird. Schicken Sie folgendes Schreiben an die Russische Botschaft, die russische Staatsanwaltschaft und an den russischen Geheimdienst.

Text des Schreibens:

Ich sorge mich sehr um Oleg Sentsov, der offensichtlich wegen seines friedlichen Widerstandes gegen die Besetzung der Krim rechtswidrig inhaftiert und nach Moskau überstellt wurde.

Bitte sorgen Sie dafür, dass er und weitere, von der Krim stammende ukrainische Bürger_innen, die im Moskauer Lefortowo-Gefaengnis inhaftiert sind, auf die Krim zurückkehren können.

Ich fordere Sie auf, das Ihre beizutragen, damit alle Anklagen gegen Oleg Sentsov fallengelassen werden, die sich ausschliesslich darauf gründen, dass er seine Rechte auf freie Meinungsaeusserung und Versammlungsfreiheit wahrgenommen hat.

Bitte stellen Sie zudem sicher, dass er seine Rechtsbeistände gemaess internationalen Standards in jeder Phase des rechtlichen Verfahrens ohne Hindernis und Verzoegerung konsultieren kann.

Ich fühle mich besonders betroffen, weil der alleinerziehende Vater Oleg Sentsov aus Heidelbergs Partnerstadt Simferopol stammt.

Man kann natürlich auch einen eigenen Brief schreiben.

Hier die Adressen von Generalstaatsanwaltschaft, FSB und Botschaft, denen der Protest übermittelt werden sollte:

GENERALSTAATSANWALTSCHAFT
Yurii Yakovlevich Chaika
Prosecutor General’s Office
Ul. B. Dmitrovka, d. 15 a
125993 Moscow GSP-3
RUSSISCHE FÖDERATION
(Anrede: Dear Yurii Yakovlevich / Sehr geehrter Herr Yurii Yakovlevich)
Fax: (007) 495 987 58 41 oder (007) 495 692 17 25
———————————————————————————————
LEITER DES RUSSISCHEN GEHEIMDIENSTES (FSB)
Aleksandr Vasilievich Bortnikov
Federal Security Service
Ul. Bolshaia Lubianka, d. 1/3
107031 Moscow
RUSSISCHE FÖDERATION
(Anrede: Dear Aleksandr Vasilievich / Sehr geehrter Herr Alexandr Vasilievich)
Fax: (007) 495 914 26 32
—————————————————————————————————–
BOTSCHAFT DER RUSSISCHEN FÖDERATION
S.E. Herrn Vladimir Grinin
Unter den Linden 63-65
10117 Berlin
Fax: 030-2299 397
E-Mail: info@russische-Botschaft.de…

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  1. Ich sorge mich sehr um Oleg Sentsov, der offensichtlich wegen seines friedlichen Widerstandes gegen die Besetzung der Krim rechtswidrig inhaftiert und nach Moskau überstellt wurde.

    Bitte sorgen Sie dafür, dass er und weitere, von der Krim stammende ukrainische Bürger_innen, die im Moskauer Lefortowo-Gefaengnis inhaftiert sind, auf die Krim zurückkehren können.

    Ich fordere Sie auf, das Ihre beizutragen, damit alle Anklagen gegen Oleg Sentsov fallengelassen werden, die sich ausschliesslich darauf gründen, dass er seine Rechte auf freie Meinungsaeusserung und Versammlungsfreiheit wahrgenommen hat.

    Bitte stellen Sie zudem sicher, dass er seine Rechtsbeistände gemaess internationalen Standards in jeder Phase des rechtlichen Verfahrens ohne Hindernis und Verzoegerung konsultieren kann.

    Ich fühle mich besonders betroffen, weil der alleinerziehende Vater Oleg Sentsov aus Heidelbergs Partnerstadt Simferopol stammt.

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