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Ein Tag mit dem Orchester der Grundschule Ziegelhausen

Frühlingsanfang, der 330. Geburtstag des Komponisten Johann Sebastian Bach und ein großer Auftritt für die Neckarvielharmonie in der Heiliggeistkirche.

An diesem sonnigen und klirrend kalten Samstagmorgen um kurz vor 9 Uhr ahnt man noch nichts von Frühling, wenig von großen Gedenktagen und kaum etwas von besonderen Auftritten. Noch sind wenige Passanten auf dem Marktplatz unterwegs. Aber einige Familien mit Kindern steuern zielstrebig auf die Heiliggeistkirche zu.

Neckarvielharmnonie 3

Der unauffällige kleine Seiteneingang zur Sakristei ist heute Künstlereingang für 20 kleine Musikerinnen und Musiker der Klassen 2-4 der Neckarschule – das fühlt sich aufregend an! Hier darf nicht jeder rein. Die knarrende Holztür geöffnet, vorsichtig die schmalen Stufen zur Sakristei hochgestiegen und dann endlich der Schritt in die riesige gotische Emporenhalle der altehrwürdigen Heiliggeistkirche. Nun ist endgültig Herzklopfen angesagt und die Normalität eines Samstagmorgens abgelegt. Hier braust bereits die Orgel, an der Frau Angel Kirste, Klassenlehrerin der 2b an der Neckarschule und Leiterin der Neckarvielharmonie, den Schülerinnen und Schülern ein beeindruckendes und fast andächtig stimmendes Willkommen bereitet. Erst als die letzten Töne verklingen, kehrt fröhliche Geschäftigkeit ein. Es wird begrüßt, umarmt, gestaunt und dann gemeinsam angepackt, um den Orchesteraufbau für die Anspielprobe einzurichten.

Peter Sigmann, seit 56 Jahren Organist, wird die Neckarvielharmonie an der Orgel begleiten. Er kennt und schätzt die Arbeit von Angel Kirste mit und für die Schüler schon seit langem und bringt seine Begeisterung für das Orchester in seiner Vorstellung eindrucksvoll zum Ausdruck.

Neckarvielharmonie 1

Die Probe läuft. Wie es bei einer Generalprobe sein muss, holpert es noch an mancher Stelle. Beim Konzert um 11 Uhr wird davon dann nichts mehr zu erahnen sein. Dabei ist das Programm der Neckarvielharmonie für diesen „Festtag zum 330. Geburtstag von Johann Sebastian Bach“, der von Kantor Christoph Andreas Schäfer an diesem Tag mit dichtgedrängtem ganztägigem Programm in der Heiliggeistkirche gestaltet wurde, anspruchsvoll.

Die Neckarvielharmonie unter Leitung von Angel Kirste ist eines der ganz wenigen Grundschulorchester überhaupt, das sich ausschließlich der klassischen Musik widmet und sich dabei auch erfolgreich an große Werke heranwagt.

So stehen an diesem Konzerttag unter anderem „Menuett“ und „La Rejouissance“ aus Georg Friedrich Händels Feuerwerksmusik, der „Kanon“ von Johann Pachelbel sowie Wolfgang Amadeus Mozarts „Eine Kleine Nachtmusik“ auf dem Programm. Stücke, die die 7-10jährigen Musikerinnen und Musiker dank der Neckarvielharmonie genauso selbstverständlich tagsüber vor sich hin pfeifen wie Songs aus den aktuellen Charts.

Die Besetzung des Orchesters ist dabei ungewöhnlich. Sie richtet sich danach, welche Instrumente die musikbegeisterten Kinder spielen, die sich bei der Neckarvielharmonie bewerben. An diesem Tag sind es zwei Geigen, 4 Flöten, drei Gitarren, 2 Harfen, 2 Xylophone und dazu 7 Kinder an Klangstäben, die sich harmonisch dank der kreativen Bearbeitungen durch Frau Kirste zu einem großen Orchesterkörper fügen. Scheinbar mühelos gelingt es ihr, auch diese großen Werke für diese ungewöhnlichen Besetzungen zu erschließen. In ihrer langjährigen Arbeit mit der Neckarvielharmonie wurden selbst Saxophon und Posaune schon erfolgreich in das Orchester integriert.

11 Uhr – die Kirche hat sich gut gefüllt. Die Ausgelassenheit der kleinen Musiker in der Pause vor dem Konzert weicht unaufgeregter Konzentration. Das Konzert beginnt, und die Spielfreude und Hingebung der Kinder springt rasch auf die zahlreichen Zuhörer über.

Als Isabel aus der 4b ihr wunderbares Solo „Jesu, meine Freude“ von Johan Sebastian Bach spielt, sieht man die Augen der anderen Orchestermusiker vor Stolz leuchten – eindrücklicher Beleg für die bewusste Doppeldeutigkeit des Orchesternamens, in dem es nicht nur um harmonisches Spiel, sondern ebenso sehr um harmonisches Miteinander geht.

Der nicht enden wollende Schlussapplaus für die Neckarvielharmonie fordert zwei Zugaben. Künstler und Publikum haben ein besonderes Erlebnis geteilt, das von einer der mitwirkenden Musikerinnen aus der 2b schlicht, ergreifend und absolut zeitgemäß zusammengefasst wird: „Es war echt cool!“.

Annette Schmidt

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