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Veranstaltung in der Weststadt zur Integration von Flüchtlingen

/ von C. Villinger /

Am Dienstag, den 8. März 2016 fand im Haus der Jugend in der Römerstraße die letzte der insgesamt acht Veranstaltungen „Heidelberg hilft Flüchtlingen“ – in Zusammenarbeit von Stadtteilvereinen und Stadtverwaltung –  über die Flüchtlingssituation in Heidelberg statt.

Zunächst begrüßte der 1. Vorsitzende des Stadtteilvereins West-Heidelberg e. V., Stefan Hauck, Bürgermeister Dr. Joachim Gerner, Dezernent für Familie, Soziales und Kultur, und Angelika Haas-Scheuermann, Amtsleiterin des Amts für Soziales und Senioren, sowie weitere zahlreiche Gäste, unter ihnen zwei Stadträte und die beiden Pfarrer der St.-Bonifatius-Kirche und der Christuskirche.

Hauck betonte in seinen einleitenden Worten die aktive Unterstützung des Stadtteilvereins in dieser Angelegenheit, befürwortete die Strategie einer Dezentralisierung zur Verhinderung von Ghettos und sprach sich für „normale“ Wohnungen im Gegensatz zu mobilen Unterkünften für die Flüchtlinge aus. Darüber hinaus wünschte er sich Zeit zu einer intensiven Vorbereitung bis zur eventuellen Ankunft von Flüchtlingen in der Weststadt. Als konkrete Ziele nannte er die Zusammenführung einzelner Unterstützungsleistungen und die Nutzung verschiedener Talente und vorhandener Organisationen.

Im Anschluss bedankte sich Dr. Gerner zunächst für die Vorbereitung der Veranstaltung und das Interesse der zahlreichen Besucher. Seine Ausführungen begann er mit der wohl am meisten erwarteten Botschaft: Alle von den entsprechenden Vereinen geplanten Veranstaltungen auf dem Wilhelmsplatz für das Jahr 2016 können stattfinden, entsprechende Dokumente befänden sich im Unterschriftengang. Auch für den Fall, dass sich am Wilhelmsplatz etwas ändere, könnten geplanten Feste unter Miteinbeziehung von umliegenden Bereichen durchgeführt werden.

Danach erfolgte ein kurzer Überblick über die Entwicklung: Im Dezember 2015 hatte der Gemeinderat 14 Standorten für Unterkünfte mit überschaubarer Größe zugestimmt, um Flüchtlinge aufzunehmen zu können, die das Land Baden-Württemberg der Stadt Heidelberg zuweist. Seit Januar 2016 finden Planungen für die Stadtteile Handschuhsheim, Ziegelhausen, Rohrbach und Bergheim statt, erst danach erfolgen weitere Planungen für die sogenannten „Pavillonlösungen“, die auch für den Wilhelmsplatz vorgesehen sind.

Zum Procedere erklärte Dr. Gerner, die Begehungen hätten stattgefunden, die Erkenntnisse würden aufgenommen und nach dem Baugenehmigungsverfahren erfolge eine Vorstellung in der Weststadt. Vom Zeitpunkt der Umsetzung an dauere es ca. 20 bis 25 Wochen, bis diese Pavillons bezugsfertig seien – ausreichend Zeit, um Vorbereitungen hinsichtlich Begrüßung, Planung von Gruppen, ein Café und Weiteres zu planen.

Es folgte eine kurze Ausführung zum Thema „Menschen auf der Flucht“ (eine gleichnamige Broschüre der Stadt lag an allen Sitzplätzen aus) und den dazugehörigen Aspekten, wie z. B. die Einrichtung des zentralen Registrierungszentrums des Landes in Patrick Henry Village (PHV), wo die Flüchtlinge registriert und gesundheitlich untersucht werden und nach Asylantragsstellung auf die Stadt- und Landkreise verteilt werden, die sogenannten unbegleiteten minderjährigen Ausländer, die vom Kinder- und Jugendamt Heidelberg in Obhut genommen werden, und die Menschen auf der Flucht in kommunaler Verantwortung, deren Zuteilungsquoten das Flüchtlingsaufnahmegesetz das regelt. Bereits bestehende Unterkünfte für Flüchtlinge befinden sich in Kirchheim in der Hardtstraße und in den Patton Barracks, im Pfaffengrund in der Henkel-Teroson-Straße und im ehemaligen Hotel Metropol in Bergheim. Darüber hinaus verfügt die Stadt über ca. 50 auf das gesamte Stadtgebiet verteilte Wohnungen.

Falls Heidelberg zukünftig nicht mehr von Zuweisungen befreit sei, wie das momentan aufgrund des PHV der Fall sei, so Gerner, müsse von einer Planungsgröße von 1.500 Menschen ausgegangen werden, die an den geplanten 14 Standorten untergebracht werden sollen, um Unterbringungen in Turnhallen und Sammellager am Stadtrand zu vermeiden. Konkrete Nachfragen, in welchem Zeitraum mit einer Zuweisung von weiteren Flüchtlingen an welchen Standorten zu rechnen sei, könne er zum momentanen Zeitpunkt nicht beantworten.

Angelika Haas-Scheuermann gab sodann zum gleichen Thema einen ausführlichen Überblick über wichtige Daten und Fakten, die verschiedene Zuständigkeiten sowie die eingebundenen Ämter und Partner bei der Flüchtlingsbetreuung. Für die Anwesenden war besonders interessant, das konkrete Betreuungskonzept für die neu geplanten Standorte zu erfahren: Vor Ort würden Sozialarbeiter, Flüchtlingsbeauftragte der Stadt und Hausmeister zusammenarbeiten, Sprachkurse, Freizeitangebote und Patenschaften sollen eine gute Einbindung in vorhandene Stadtteilstrukturen ermöglichen. Auch Sicherheitsdienste, der kommunale Ordnungsdienst, die Zusammenarbeit mit der Polizei und eine Rufbereitschaft rund um die Uhr seien mit eingeplant.

Nach diesen beiden Beiträgen seitens der Stadtverwaltung sprach Hauck das Thema potentielle Hilfeleistung an und wie diese konkret aussehen könne. Beabsichtigt sei eine Internetplattform unter der Adresse „integration-weststadt.de“, in die sich Ehrenamtliche eintragen könnten, was vor allem auch für einen Versicherungsschutz im Zusammenhang mit einer Flüchtlingsarbeit notwendig sei.

Darüber hinaus solle der Schulleiter der Elisabeth-von-Thadden-Schule, Dr. Heinz-Martin Döpp, als Ansprechpartner für die Stadt und als eine Art „Leitung“ von Arbeitskreisen fungieren. Döpp stellte sich daraufhin kurz vor und signalisierte seine Bereitschaft hierfür. Diese Benennung einer solchen „Leitung“, die offensichtlich hinter den Kulissen bereits im Vorfeld abgesprochen war, sorgte unter einigen Anwesenden für Irritation, und eine gewisse Unruhe im Saal ließ darauf schließen, dass dieses Procedere der Benennung nicht goutiert wurde. Es folgten daraufhin mehrere Wortmeldungen, um von der schon gegründeten Initiative „Die Weststadt sagt Ja“ und ihren bereits etablierten Strukturen mit verschiedenen Arbeitskreisen zu berichten, über deren Existenz auch die Stadtverwaltung durch ein im Vorfeld formuliertes Schreiben mit offenen Fragen unterrichtet war.

(Siehe hierzu auch www.die-stadtredaktion.de…)

Die Veranstaltung endete mit der Möglichkeit für Interessierte, sich mit E-Mail-Adresse in vorbereitete Listen der Initiative „Die Weststadt sagt Ja“ einzutragen und unmittelbar im Anschluss im Café des Jugendhauses Organisationsstrukturen zu besprechen.

Beitragsbild:  Im Patrick Henry Village treffen weitere Flüchtlinge aus dem Kosovo oder aus Afrika ein. Nach der Registrierung beziehen sie ihre Unterkünfte, im ehemaligen Casino können sie Mittag- und Abendessen abholen. Bild: Stadt Heidelberg / Philipp Rothe, 22.12.2014

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