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In Pforzheim steht Baden-Württembergs Abschiebe-Haftanstalt

/ via KontextWochenzeitung / Ausgabe 285 / Von Anna Hunger / 14.09.2016/
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In Pforzheim steht Baden-Württembergs Abschiebe-Haftanstalt. Seitdem Geflüchtete dort auf ihre Abschiebung warten, darf kein Journalist mehr hinein. Anstaltsleiter Hans-Peter Paukner ist der Wächter über drinnen und draußen und einer, der seinen Job tatsächlich liebt.

Die Karte mit der Sau hat der Chef eingeführt. Das Tier, fett und rot, durchgestrichen. „Bei uns gibt’s vegetarisch und laktosefrei, warum nicht auch halal?“, sagt Hans-Peter Paukner. „Ich stelle es mir fürchterlich vor, wenn ich bei jeder Mahlzeit Bedenken haben muss, dass was drin ist, was ich nicht essen darf.“

Deshalb wird vom Caterer nur nach arabischer Machart gekocht, das war ihm ein Anliegen. Die Karte mit der Sau drauf ist das am meisten gebrauchte Zeige-Kärtchen hinter den mehr als fünf Meter hohen Betonmauern. Kein Schweinefleisch im Abschiebe-Knast in Pforzheim.

Es gibt wenig zu beschönigen an dem Job, den Hans-Peter Pauckner macht. Er ist das personifizierte Ende vom Traum „Germany“: der Chef der Abschiebehaftanstalt für Baden-Württemberg in Pforzheim. Wer dort einsitzt, steigt meistens da wieder aus, wo er eigentlich nicht sein will.

Normalerweise zuständig für verschlossene Türen: Knastchef Paukner.

Normalerweise zuständig für verschlossene Türen: Knastchef Paukner.

Paukner hat drei Kinder, ist verheiratet, 61 Jahre alt, einer, der leidenschaftlich gerne reist, durch Bolivien, Peru, Mexiko…

…Die Einrichtung liegt am Ende einer Straße im Osten Pforzheims. Sie passt gut hierher, in diese hässliche Stadt mit der landesweit höchsten Arbeitslosenquote und den landesweit meisten AfD-Wählern. „Ja“, sagt Paukner,und dann, wie sehr ihn das „ganze Getue um den Islam und um Muslime“ nervt. „Ich kenne Muslime und das Problem, das die Leute mit ihnen haben. Aber es ist einfach keines.“ So mancher Ausländer sei zugänglicher als einige Deutsche…

…Ein Gefängnis sei wie ein Dorf. Mit Wäscherei, psychologischem Dienst, Arzt, Restaurant, Kleiderkammer, Ausbildungsplätzen, Kino, Dorfbevölkerung. Das alles will organisiert und gemanagt sein und Paukner ist so etwas wie ein Bürgermeister für Bewohner, die ihr Dorf nicht verlassen können. Er gerät ins Schwärmen: Die Vielfalt, und Überraschung, die jede neue Woche bringt, das Unplanbare, das Unberechenbare, kein Tag ist wie der andere, jeder erfordere Kreativität. Pforzheim ist die Sahnehaube auf seiner Karriere. Dort muss er nicht nur die Tage kreativ gestalten, hier kann er eine ganz neue Haftform erfinden.

Ende März dieses Jahres wurde aus der Jugendstrafanstalt ein Abschiebegefängnis. Zuvor waren die „Ausreisepflichtigen“, nicht bleibeberechtigte Flüchtlinge, die untertauchen könnten, bevor sie abgeschoben werden, im Mannheimer Gefängnis untergebracht. Der Europäische Gerichtshof entschied aber 2014, dass diese Menschen keine Verbrecher seien und eigene Haftanstalten für sie eingerichtet werden müssen. Die in der Rohrstraße in Pforzheims Osten gegen den Protest der Pforzheimer, allen voran des Bürgermeisters, der fürchtete, dass seine Anwohner belästigt würden durch den Lärm von Anti-Abschiebungs-Demos. Bisher fand noch keine dort statt.

Gefängnis auf dem Weg zur Wohngruppenatmosphäre.

Gefängnis auf dem Weg zur Wohngruppenatmosphäre.

Paukner hatte sich freiwillig gemeldet für den Chefposten. „Klang nach einer interessanten Aufgabe. Eine, wo man Lösungen finden muss, die es noch nicht gibt. Die ganze Anlage muss ja von einem Gefängnis in Wohngruppen umgestaltet werden.“…Ganzer Artikel

 

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