Wie sehr wird Donald Trump vom Weißen Haus aus die Welt verändern?

© dpa Wie sehr wird Donald Trump vom Weißen Haus aus die Welt verändern?

• Wie wird US-Präsident Trump die Welt verändern?

• In Brüssel konkurrieren zwei Szenarien: Trump kommt zur Vernunft, oder er bleibt so, wie die Welt ihn kennt – mit unabsehbaren Folgen.

• Europa, die Nato und Russland sehen sich mit neuen Ängsten konfrontiert.

Der Neubau schießt nicht wirklich hoch hinaus, wirkt aber dynamisch. „Das Design schafft einen flexiblen Raum, der unterschiedlichen Anforderungen gerecht wird sowie modere Informations- und Kommunikationstechnologie integriert“, steht im Prospekt. Herausgegeben hat ihn nicht ein Immobilienentwickler, sondern die mächtigste militärische Allianz der Gegenwart. Gebaut worden sei, heißt es da, „mit der Zukunft im Sinn“. Das neue Hauptquartier wartet fast bezugsfertig im Osten Brüssels auf die feierliche Eröffnung Ende Mai. Dann kommt Donald Trump zum Nato-Gipfel ins „Höllenloch“, wie der neue US-Präsident die Stadt genannt hat. Über die Zukunft der Nato wird man dann mehr wissen. Vielleicht.

Nach Trumps Wahlsieg konkurrierten im diplomatischen Nervenzentrum Europas zwei Szenarien. In Szenario Nummer eins kommt Trump zu relativer Vernunft. In Szenario zwei bleibt er so wie die Welt ihn kennt – mit unabsehbaren Folgen für die internationale Ordnung und die Sicherheit Europas. Auch im Auswärtigen Amt in Berlin sind für beide Szenarien Was-wäre-wenn-Listen ausgearbeitet worden. Ganz zu Ende gedacht worden ist der Ernstfall aber nirgendwo. „Die Konsequenzen wären so dramatisch, dass niemand das vollständig denken mag“, sagt der Nato- und EU-Experte Jan Techau von der American Academy in Berlin. Nicht nur sei ein Europa ohne amerikanischen Schutz nuklear erpressbar; das „strukturell instabile Gebilde“ EU habe ohne die Sicherheitsgarantien der USA vermutlich keinen Bestand.

Von der Gegenwart aber ergreift vorerst ein drittes Szenario Besitz: Trump ist immer noch Trump. Er twittert mal dies, mal das. Und er hat den Weltenbrand-Ideologen Stephen Bannon zum vielleicht zweitmächtigsten Mann im Staat gemacht. Einerseits. Andererseits klingen Außenminister Rex Tillerson und Verteidigungsminister James Mattis ganz so, als müsse sich niemand Sorgen machen. Außenminister Sigmar Gabriel, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sind mit beruhigenden Beteuerungen aus Washington zurückgekehrt…

Eine Antwort könnte das Duo Trump-Putin geben. Seit seinem Wahlkampf hat Trump so ziemlich jede Regierung kritisiert, wenn nicht gar beleidigt – von guten Nachbarn wie Mexiko bis zu alten Verbündeten wie Australien oder Deutschland. Nicht kritisiert hat er: Wladimir Putin. Das russische Staatsfernsehen präsentiert Trump als Hoffnungsträger. Auch im Kreml hat man aber die Widersprüche zwischen den schmeichelnden Worten des neuen US-Präsidenten und den eher der Tradition republikanischer Falken folgenden Aussagen seiner Minister und Berater registriert…

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Zumindest in dieser Hinsicht sitzen bei ziemlich hohem Wellengang alle im selben Boot: Sie wissen immer noch nicht, was dieser amerikanische Präsident will und wozu er in der Lage ist. Daraus folgt zunächst ein praktisches Problem: Wie soll man reden mit dieser neuen Regierung, um die Stimmen der Vernunft zu stärken? In Absprache mit dem Kanzleramt wurde im Auswärtigen Amt eine kleine Sprachregelung entworfen – sieben Punkte in englischer Sprache, die fürs Erste als Leitlinien für alle Gespräche mit Partnern aus der neuen US-Regierung gelten sollen.

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