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Baubürgermeister J. Odszuck nimmt von der Neuenheimer Bürgerdelegation die Protestunterschriften entgegen.

(wg) Über 1000 besorgte  BürgerInnen sprechen sich gegen den geplanten Hotelneubau am Neuenheimer Marktplatz aus. Eine Delegation der Bürgerinitiative Neuenheim übergab kürzlich dem neuen Baubürgermeister Jürgen Odszuck einen Stapel an Unterschriftslisten. Es sei aber leider nichts mehr zu machen, das Hotel werde gebaut, stellte Odszuck klar. Die SPD-Fraktion sieht dies auf Anfrage der STADTREDAKTION ähnlich, „die unternehmerische Entscheidung des Bauherrn für einen Hotelneubau (sei zu) akzeptieren…, weil sie rechtlich zulässig sei.“ Wie man hört, soll das Gebäude der Pizzeria Da Claudia in der Brückenstraße ebenfalls zu einem Hotel umgebaut werden. Eine sicherlich ebenfalls rechtlich zulässige Investorenentscheidung?

Die Wohnfunktion in Neuenheim soll gestärkt werden. Das soll der Gemeinderat beschließen. Die Stadt erteilt aber Baugenehmigung für ein Hotel am Neuenheimer Marktplatz.

Das neue Hotel entsteht  auf der westlichen Straßenseite der Lutherstraße am Neuenheimer Marktplatz. Ein Wohngebäude wird dafür abgerissen und zusätzlich eine Baulücke bebaut. 27 Hotelzimmer bzw. Boarding-House Zimmer werden geschaffen. Da nicht alle Parkplätze vor Ort untergebracht werden können, hat der Bauherr an der Brückenkopf Tiefgarage eine Baulast eintragen lassen. Diese ist jedoch heute schon überbelegt, so dass die Gäste in die Tiefgarage des Darmstädter Hof Centrums ausweichen müssen.

Heutiger Baubestand. Lutherstr. 19 wird abgerissen und dann mit der Fläche der Lutherstr. 17 neu bebaut.

Die Baufläche liegt in einem Gebiet, für das derzeit ein Bebauungsplan entworfen wird. Die östliche Seite der Lutherstraße ist außerdem jetzt schon Teil einer der geltenden Erhaltungssatzung Neuenheims. Zum Bebauungsplan heißt es in einer Beschlussvorlage für den Gemeinderat: „Mit dem Bebauungsplan soll die künftige bauliche Entwicklung des Gebiets, die auf unterschiedlichen historischen Schichten aufbaut, geordnet werden. Dabei sollen sowohl städtebaulich gestalterische, als auch freiraumplanerische Qualitäten gesichert und weiterentwickelt werden. Die Wohnfunktion des Gebiets soll gestärkt werden“.

Die Bürgerinitiative kritisiert, dass der Hotelneubau einige Wohnungen vernichtet, die es zuvor an dieser Stelle gab. Das Hotel werde zusätzlichen Verkehr in diesem jetzt schon stark belasteten Gebiet anziehen. Kinder, die auf dem gegenüberliegenden Spielplatz spielen, könnten gefährdet werden. Gegen eine Wohnbebauung hätte die Bürgerinitiative Neuenheim keine Einwände, wenn sich die Architektur in die historische Substanz einfügt.  Neue Wohnungen würden dringender gebraucht als weitere Hotelbetten für einen bereits übersättigten Hotelmarkt.

All die gut überlegten Argumente gegen das Bauvorhaben treibt die Bürgerinitiative Neuenheim seit geraumer Zeit um, genau genommen seit über einem Jahr. Über 1000 Unterschriften von BürgerInnen kamen nun unter einer Petition an die Stadt Heidelberg zusammen, die dem Ersten Bürgermeister, Jürgen Odszuck, in seinem Amtszimmer überreicht wurden.

Odszuck: Der Hotelmarkt in Heidelberg geht gerade durch die Decke

Auch Baubürgermeister Odszuck sieht mit großer Sorge, wie der Hotelmarkt in Heidelberg gerade „durch die Decke gehe“.  Er ist beeindruckt vom eindrucksvollen Stapel an Unterschriften, die er, wie er sich ausdrückte,  zur Kenntnis nehme. Sie würden natürlich sorgfältig archiviert. Allerdings, meint er, sei es jetzt schon zu spät, das Bauvorhaben zu beeinflussen oder gar zu verhindern. Da hätte man sich nämlich frühzeitiger darum kümmern müssen. Ein Hotel sei nach seiner Meinung an der vorgesehenen Stelle keineswegs abträglich. Er wolle aber auch darauf hinweisen, dass er ja gerade erst ins Amt gekommen sei und deswegen mit der Angelegenheit noch gar nicht befasst sein konnte. Sein Amtsantritt war Anfang Oktober 2016.

Eine Teilabrissgenehmigung  für das bestehende Gebäude als ersten Schritt zur Neubebauung liegt aber offensichtlich erst seit Anfang 2017 vor. Roswitha Claus, Bezirksbeirätin der Bunten Linken, weist gegenüber der Stadtredaktion darauf hin, dass die Bürgerschaft sich schon sehr frühzeitig gekümmert habe, leider war offensichtlich der politische Wille seitens der Stadt Heidelberg nicht vorhanden, Wohnungsbau statt Hotelbau an dieser Stelle durchzusetzen.

Das nächste Umwandlungsprojekt in Neuenheim: Aus diesem Gebäude soll ein weiteres Hotel werden. Heute ist die Pizzeria Da Claudia dort ansässig. Sie schließt zum Jahresende.

DIE STADTREDAKTION fragte vor geraumer Zeit den SPD Stadtrat Andreas Grasser, der sich sehr engagiert für den Erhalt von Wohnraum einsetzt, was er, bzw. die SPD-Fraktion von diesem Vorhaben hält. Die Antwort ist: „Zwar hält die SPD-Fraktion eine Instandsetzung oder eine Neuerrichtung des Wohngebäudes angesichts des angespannten Wohnungsmarktes für sinnvoller als einen Hotelneubau, jedoch ist der geplante Hotelneubau rechtlich zulässig. Daher müssen wir die unternehmerische Entscheidung des Bauherrn für einen Hotelneubau akzeptieren.“

Die nächste Umwandlung von Wohnraum in Hotelzimmer steht schon auf der Tagesordnung: In der Brückenstraße soll das Gebäude der Pizzeria und die dazugehörende Freifläche ebenfalls als Hotel um- bzw. neu gebaut werden.

 

 


Auf der Unterschriftenliste heißt es:

Kein Hotelneubau am Neuenheimer Marktplatz

Es liegen Baupläne für einen Hotelneubau / ein Boardinghaus über 2 Grundstücke am Neuenheimer Marktplatz (Lutherstraße 17 – 19) vor. Für den Neubau muss ein altes Gebäude abgerissen werden, das aus dem Jahr 1902 stammt. Insgesamt sollen hier 27 Gästezimmer entstehen. Weder sind Größe, Kubatur noch die aus den vorliegenden Plänen erkennbare Architektur an die Umgebung angepasst. Die Verkehrs- und Parksituation  um den Marktplatz würde sich weiter verschärfen. Der historische Kern von Neuenheim muss ab sofort ausreichend geschützt werden. Mit  unserer Unterschrift unterstützen wir die Forderung an die Stadt, den gewachsenen Charakter des Marktplatzes zu schützen und nicht durch den geplanten Neubau zu zerstören.

Ich bin / Wir sind gegen den geplanten Hotelneubau am Neuenheimer Marktplatz


 

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Die Bunte Linke hat einen Antrag im Gemeinderat eingebracht, im Bebauungsplan für diesen Bereich in Neuenheim – mit Ausnahme der Brückenstraße – nur im Erdgeschoss gewerbliche Nutzung zu erlauben. Der Oberbürgermeister/das Baurechtsamt hätte sich allerdings auch auf die Baunutzungsverordnung berufen können, um den Hotelneubau abzulehnen. Die erlaubt in allgemeinen Wohngebieten nur „ausnahmsweise“ Betriebe des Beherbergungsgewerbes ( § 4 (3) 1.)

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