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Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert eine klinische Studie zum Mammakarzinom unter Leitung des Universitätsklinikums Heidelberg mit einer Million Euro / Proben von 600 Patientinnen deutschlandweit nach Chemotherapie werden untersucht / Biopsien könnten zeigen, ob Tumorzellen in der Brust bereits vollständig zerstört sind / Ergebnisse sollen Diagnostik verbessern und Hinweise geben, welcher Patientin in Zukunft eine Operation erspart werden könnte/ via Universitätsklinikum HD/

 

Nach der Chemotherapie folgt bei fast allen Brustkrebspatientinnen eine Operation mit Entnahme von zumindest ehemals erkranktem Gewebe – so schreiben es die Leitlinien der Fachgesellschaften vor. Forscher um Prof. Jörg Heil vom Brustzentrum der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg treibt die Frage um, ob selbst nach vollständigem Verschwinden der Tumorzellen in der Brust eine Operation zwingend notwendig ist, oder ob manchen Patientinnen der teilweise physisch und psychisch belastende Eingriff erspart werden könnte. Mit dieser Motivation beginnt im März 2017 unter Heidelberger Leitung eine erste Studie mit 600 Patientinnen an 18 Brustkrebszentren in Deutschland, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit der hohen Fördersumme von einer Million Euro unterstützt wird.

Blick auf die Universitäts-Frauenklinik. Das Brustzentrum an der Klinik gehört zu den größten in Deutschland.

Blick auf die Universitäts-Frauenklinik. Das Brustzentrum an der Klinik gehört zu den größten in Deutschland.
Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Neues Diagnose-Werkzeug auf dem Prüfstand

„Viele Brustkrebs-Patientinnen, die heutzutage eine chemotherapeutische Behandlung erhalten, sprechen sehr gut darauf an und wir stellen fest, dass in vielen Fällen allein durch die Medikamente die Krebszellen vernichtet werden“, beschreibt Prof. Christof Sohn, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik, den Hintergrund für die aktuelle Studie. Dennoch werden auch diese Patientinnen den aktuellen Leitlinien gemäß einer Operation unterzogen. „Wir suchen nun nach einem verlässlichen Diagnose-Werkzeug, um nachzuweisen, welche Patientinnen eine zusätzliche Operation benötigen und welche möglicherweise nicht“, so Studienleiter Prof. Jörg Heil. Zurzeit werden nach einer Chemotherapie bildgebende Verfahren wie beispielsweise Ultraschall, eine Mammographie oder eine Magnetresonanztomographie eingesetzt, um das Ansprechen von Tumoren in der Brust zu untersuchen. „Die Genauigkeit dieser Ergebnisse ist nicht ausreichend, um darauf therapeutische Konsequenzen wie beispielsweise den Verzicht einer Operation zu begründen“, sagt Prof. Jörg Heil.

Mehr Treffsicherheit durch Vakuum-Biopsie

Die Studie führt bei den Patientinnen auf freiwilliger Basis nach Ende einer Chemotherapie einen kleinen Zwischenschritt ein: In einem ca. 15-minütigen Eingriff in örtlicher Betäubung wird eine sogenannte Vakuum-Biopsie durchgeführt, die als besonders treffsicher gilt. Dabei wird eine Hohlnadel in das zu untersuchende Gewebe eingebracht. Das Gewebe wird durch Vakuumsog in das Innere der Nadel gezogen und dort abgetrennt. Anschließend wird die Probe pathologisch auf Krebszellen untersucht. Diese minimal-invasive und sehr sichere Biopsietechnik wird heute in anderen Situationen schon routinemäßig durchgeführt.

Leitliniengemäß werden die Studienteilnehmerinnen unabhängig vom Ergebnis der Biopsie in jedem Fall operiert; nur so lässt sich feststellen, wie genau eine Biopsie das vollständige Verschwinden des Tumors nachweisen kann. Die Studienteilnehmerinnen haben also einen kleinen Eingriff zusätzlich, leisten aber einen großen Beitrag für zukünftige Patientinnen, denen möglicherweise eine Operation erspart werden kann.

Ziel der insgesamt 36 Monate dauernden Studie ist zu belegen, dass sich mithilfe einer Vakuum-Biopsie eine sogenannte Komplettremission in der Brust – also das vollständige Verschwinden des Tumors durch die Chemotherapie – nachweisen lässt. Liegt die „Fehlerquote“ der Biopsien bei weniger als 10 Prozent, könnten weitere, größere Studien folgen, in denen auf die Operation tatsächlich verzichtet wird. „Rund 40 Prozent der Brustkrebspatientinnen, die eine Chemotherapie erhalten, sprechen sehr gut darauf an“, so Studienleiter Heil. „Wir könnten uns vorstellen, dass diese nicht von einer zusätzlichen Operation profitieren“. Die Studienergebnisse könnten zu einem Paradigmenwechsel in der Therapie des Brustkrebses beitragen, wenn durch bessere Diagnostik eine belastende Operation nicht mehr notwendig wäre.

 

Zertifiziertes Heidelberger Brustzentrum

Das Brustzentrum an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg war 2003 eines der ersten Zentren in Deutschland, die von der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Senologie zertifiziert wurden. 2006 folgte die Akkreditierung durch die Europäische Gesellschaft für Brusterkrankungen EUSOMA (European Society of Mastology). Für die Patientinnen bedeutet das: Ein erfahrenes Ärzteteam und moderne Behandlungsmöglichkeiten sichern in multidisziplinärer Kooperation und eng eingebunden in das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg (NCT) eine qualitativ hochwertige Diagnostik und Therapie. 2016 betreute das Heidelberger Brustzentrum über 600 Patientinnen nach Erstdiagnose; über 1100 Patientinnen wurden an der Universitäts-Frauenklinik an der Brust operiert, sei es wegen Brustkrebs oder z. B. zur Brustwiederherstellung; es ist damit eines der größten Brustzentren in Deutschland.

 

Informationen zur Studie:

drks-neu.uniklinik-freiburg.de…

clinicaltrials.gov…

 

Weitere Informationen:

Brustzentrum an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg:

www.klinikum.uni-heidelberg.de…

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