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Zur aufgesetzten Empörung über Kritik an Osterpaket-Aktion von Fünftklässlern für deutsche Soldaten in Afghanistan

/ via Heidelberger Forum gegen Militarismus und Krieg, Friedensbündnis Heidelberg und der Bunten Linken Heidelberg /

Wir stellen uns hinter die Kritik des Kreisverbandes Kraichgau-Neckar-Odenwald der Partei DIE LINKE an der Osterpaket-Aktion von Fünftklässlern des Max-Born-Gymnasiums in Neckargemünd für deutsche Soldaten in Afghanistan und wenden uns entschieden gegen die aufgesetzte Empörung darüber.

Selbstverständlich wurden hier Zehnjährige, die von sich aus sicherlich nie auf den Gedanken zu einer solchen Aktion kommen würden, für eine politische Aktion im Interesse ihrer Initiatoren missbraucht.

Laut RNZ, die der Aktion durch mehre Artikel breite und wohlwollende Unterstützung gewährte, war es eine Klassenlehrerin, die die Idee zur Aktion hatte, weil sich Soldaten nicht ausreichend aus der Heimat unterstützt fühlen würden. Es waren sie und die übrigen Klassenlehrer der fünften Klassen, die die Aktion organisierten und den Versand der „Feldpost“ finanzierten.

Offensichtlich motivierten also die Lehrer ihre Schüler zu einer Aktion, mit der sie selbst und die Schulleitung für mehr Akzeptanz des deutschen Militäreinsatzes in Afghanistan werben wollen. Und natürlich erinnert dies an Aktionen von der „Heimatfront“ zur Stärkung der Truppen-Moral in den beiden Weltkriegen.

Die Empörung über die Kritik an dieser eindeutigen Instrumentalisierung von Kindern, die sich selbstredend nicht an diese richtet, ist daher an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten. Wenn sich nun Politiker der Parteien, die die fortgesetzte Kriegsbeteiligung Jahr für Jahr bewilligen, gemeinsam mit der RNZ bemühen, ihre Empörung moralisch aufzubauschen, indem sie die LINKE beschuldigen, Parteipolitik auf dem Rücken der Schüler zu betreiben oder diese gar „in die Pfanne zu hauen“ (RNZ-Kommentar vom 22.4.), so werden die Kinder ein zweites Mal für politische Zwecke missbraucht.

Die Akzeptanz des Bundeswehreinsatz in Afghanistan ist zu Recht in der deutschen Bevölkerung sehr gering. Unabhängig davon, wie man die ursprüngliche Rechtfertigung des NATO-Krieges beurteilt, ist die Bilanz heute unbestreitbar vernichtend: Nach einer Studie der „Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“ IPPNW über die Opferzahlen im „Krieg gegen den Terror“ wurden mehr als 200.000 Menschen in Afghanistan getötet, Millionen sind auf der Flucht und dennoch ist 16 Jahre nach der US-Invasion das Land von einer Stabilisierung weiter entfernt als zuvor.

Hätte man den Kindern erzählt, wie die Situation tatsächlich nach 16 Jahren NATO-Krieg aussieht, hätten sie die Süßigkeiten sicherlich eher an einige der Flüchtlingskinder unter den Hunderttausenden geschickt, die unter elenden Bedingungen in den Lagern an den Grenzen des Landes leben müssen, als an Berufssoldaten, die sich freiwillig ‒ ermuntert durch erhebliche Gehaltszulagen ‒ zum Einsatz am Hindukusch gemeldet haben. Dann hätte Schulleiter Horst Linier zu Recht von einem „ausschließlich humanitären Charakter der beispielhaften Aktion“ reden können.

Eine Aktion, die derart einseitig einen Militäreinsatz unterstützt, wie die Osterpaket-Aktion, darf so wenig Platz an unseren Schulen haben, wie die Rekruten-Werbung für die Bundeswehr.

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