Fatbikes sind echte Hingucker: Ihren Namen haben sie von den extrem voluminösen Reifen – bis zu 5 Zoll (ca. zwölf Zentimeter) breit können sie werden. Vom Mountainbike kommend, steht das Fatbike für Spaß, Geländeeignung und Expedition. Aufgrund ihres großen Volumens können die Reifen mit extrem niedrigen Luftdrücken (ca. 0,5 Bar) gefahren werden und bieten so eine immense Traktion, was sie als Geländerad für die nasse, schneereiche Jahreszeit ebenso wie für losen Untergrund wie Sand prädestiniert. Der süddeutsche Hersteller Velotraum prägte den treffend umschreibenden Begriff „Omniterra-Nutzspielzeug“.

/via pd-f/

Ihr Debüt hatten die dicken Räder im Schnee Alaskas (u. a. im Rahmen der Fahrrad-Befahrung des Schlittenhunderennens Iditarod) und rollten etwa zwanzig Jahre lang unentdeckt durch die Weiten des nördlichen US-Bundesstaates. Seit ca. 2005 macht sich neben ein paar Maßrahmenbauern vor allem die nordamerikanische Firma Surly um die Marktpräsenz der dicken Räder verdient, indem sie Rahmen, Reifen, Schläuche und Felgen anbietet. Ihren weltweiten Durchbruch erlebten Fatbikes anschließend 2013. Jeder größere und so mancher kleinere Anbieter hat inzwischen mindestens ein Modell im Programm.

Typenkunde Fatbike – Quelle: www.pd-f.de…

1. Expeditions-Reiserad

Das „Pilger“ der schwäbischen Manufaktur Velotraum (ab 2.490 Euro) war 2013 einer der Fatbike-Vorreiter aus Deutschland. Es macht sich die langjährige Erfahrung des Herstellers im Segment individueller Reiseräder zu eigen und ist so z. B. im Baukastensystem konfigurierbar (u. a. Schaltung, Beleuchtung, Farbe). Der Aluminiumrahmen verfügt über die nötigen Gewinde und Ösen zur Montage von Gepäck- und Flaschenträgern, auch die hauseigene Stahlgabel lässt sich mit allerlei Gepäckträgern ausrüsten.

2. Sport mit massig Reserven

Dass sich die optisch etwas behäbigeren Bikes durchaus sportlich bewegen lassen, wissen Mountainbiker. Für Einsteiger bietet das „Double Double 70“ von Felt für 1.299 Euro viel Rad mit 27 Gängen und Scheibenbremsen der Mittelklasse. Mit Aluminiumrahmen und starrer Gabel wiegt es unter 16 Kilogramm.
Ein Rad für den sportlicheren Einsatz, mit aggressiverer Geometrie und auf Wunsch sogar als Maßanfertigung bietet der norddeutsche MTB-Spezialist Nicolai mit dem „Argon Fat“. Der Rahmen (ab 1.449 Euro) ermöglicht die Aufnahme von Federgabeln mit bis zu 120 Millimetern Federweg und weist gängige Mountainbike-Features auf, wie etwa Aufnahmen für Kettenführung. Zudem ist er für alle Antriebsformen vorbereitet, ob Singlespeed, Ketten- oder Nabenschaltung. Auch eine Version mit zentralem Rahmengetriebe von Pinion (ab 3.199 Euro) ist möglich. Zudem lässt sich der Hinterbau des Rahmens öffnen, um einen verschleißresistenten Gates-Carbonriemen statt einer Kette zu verbauen. Salsa Cycles bietet mit der Serie „Bucksaw“ Fatbikes mit Vollfederung an. Der Federweg an Gabel und Dämpfer liegt bei 100 Millimetern.

3. Fette Schlappen unter Strom

Ein E-Motor erhöht bei den Überall-hin-Fahrrädern mit den dicken Reifen den Fahrspaß zusätzlich. Kein Wunder also, dass Felt mit dem „Lebowsk-E“ (4.599 Euro) und dem „Outfitter“ (4.199 Euro) zwei elektrifizierte Modelle mit Bosch-Mittelmotor im Programm hat. Auch der Schweinfurter Hersteller Haibike hat motorisierte Fatbikes im Angebot: Das „FatSix“ kommt wahlweise mit Bosch- (3.999 Euro) oder Yamaha-Motor (2.999 Euro).

Neue Teile für dicke Räder

Bereits seit Mitte 2014 sind Federgabeln mit dem nötigen Reifendurchlass zum Nachrüsten erhältlich, wie etwa die „Bluto“ von Rock Shox (luftgefedert, ab 715 Euro). Die breiten Reifen brauchen allerdings auch breite Naben – so hat sich am Vorderrad das Maß 150 Millimeter statt der bei schmaleren Rädern üblichen 100 Millimeter etabliert. Am Hinterrad sind (zusätzlich zu diversen Achsbauweisen) Naben-Einbauweiten von 170, 177, 190 und 197 Millimetern zu finden. Naben in diesen Abmessungen finden sich bei verschiedenen Anbietern.

Bedeutung in der Branche und Ausblick

Fatbikes haben den Geist der Entwickler geöffnet und so den Rahmen des Vorstellbaren im wahrsten Sinne des Wortes verbreitert. Die Diskussion über Reifenbreiten nahm dadurch an Fahrt auf und machte die Plus-Bereifung salonfähig. Die ca. drei Zoll breiten Plus-Reifen, wie sie gerade bei E-Mountainbikes stark im Kommen sind, wären ohne Fatbikes nicht denkbar gewesen.




Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. In Berlin sieht man diese Fat Bikes mitterweile auch öfter auf der Straße. Toller Artikel! Fürs Gelände sind die Räder bestimmt super geeignet. Ich spiele auch mit dem Gedanken, mir ein MTB zuzulegen.

    Beste Grüße

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