Peter Pauschs Körperkalender – 20.11.2017 – 26.11.2017: Alter & Krankheit

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20. November
„The uncertainty that hovers over a man of sixty-seven has now found its material expression. I don’t take it very hard; one will defend oneself for a while with the help of modern medicine and then remember Bernard Shaw’s warning: Don’t try to live for ever, you will not succeed.“

Freud’s letter to Kata & Lajos Levy (June 11, 1923) pep-web.org/document.php?id=zbk.051.0343b

21. November

„Der englische Gerontologe Alex Comfort meinte: ‚Heutzutage sind alle unsere nicht behandelbaren Probleme, soweit sie nicht psychosomatisch sind, von geriatrischer Natur‘. Ihm zufolge ist der Alterungsprozess gekennzeichnet als ein ständiger Verlust an Homöostase, worunter eine ständige Abnahme vitaler physiologischer Funktionen und Fähigkeiten zu verstehen ist. Dies lässt sich deutlich ablesen an einer Verringerung der Immunabwehr oder der Abnahme der Herzkapazität. Besonders eindrucksvoll ist es auch, wenn man die Überlebenschancen von Menschen mit schweren Hautverbrennungen vergleicht. Während ein 5- jähriges Kind einen Verlust von 50 % seiner Hautoberfläche überleben kann, fällt dieser noch tolerierbare Hautverlust mit 55 Jahren auf 23 % und mit 70 Jahren auf nur noch 9 %. Hierin spiegelt sich eine dramatische Abnahme der Regenerationsfähigkeit und damit ein Verlust der Homöostase wider.“

Zwilling. Das Rätsel der Alterung. Viele Theorien, viele offene Fragen. In: Biologie in unserer Zeit 3/2007

22. November

„Es ist also denkbar, daß die Summe somatischer Mutationen in einem alternden Körper so groß ist, daß der Abbau der mutierten Zellen durch Antikörper einer Selbstauflösung des Körpers gleichkommt […]; in einem immunbiologischen Kampf um die Identität wird von den Antikörpern schließlich ein Pyrrhus-Sieg erfochten, indem der ganze Organismus stirbt“

Till Brahe. Biologie, die uns angeht (Gütersloh o.J.), S.260f

23. November

„In Deutschland leiden 5 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen; 50% sind älter als 60 Jahre! Ursachen: degenerative und rheumatische Gelenkerkrankungen, Osteoporose, Phantom- und Stumpf- oder Tumorschmerzen. In der BRD töten sich alljährlich ungefähr 3000 Menschen wegen zu starker Schmerzen. Das Deutsche Grüne Kreuz urteilt, daß die Sorge vieler Ärzte, der Patient könne von Opiaten abhängig werden, bei richtiger Dosierung unbegründet sei. Dänische Ärzte verordnen morphinhaltige Mittel zehnmal häufiger als deutsche.“

Badische Neueste Nachrichten, 4/5-9-99, S.3

24. November

»Über den Punkt werden wir freilich abstimmen müssen, ob es richtig ist, das höchste Alter zu verschmähen, d.h. das Lebensende nicht abzuwarten, sondern eigenhändig herbeizuführen […] Ist die Endphase des Lebens tatsächlich nur Bodensatz oder nicht vielmehr der lauterste und reinste Teil des Lebens […] denn es ist ein großer Unterschied, ob man das Leben oder das Sterben verlängern will.«

Seneca an Lucilius. Nr. 58 (Ü: E.Glaser-Gerhard)

25. November

„Es gibt nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord. Die Entscheidung, ob das Leben sich lohne oder nicht, beantwortet die Grundfrage der Philosophie. Alles andere – ob die Welt drei Dimensionen und der Geist neun oder zwölf Kategorien habe – kommt erst später. Das sind Spielereien; zunächst heißt es Antwort geben. Und wenn es wahr ist, daß – nach Nietzsche – ein Philosoph, der ernst genommen werden will, mit gutem Beispiel vorangehen müsse, dann begreift man die Wichtigkeit dieser Antwort, da ihr dann die endgültige Tat folgen muß.“

Camus. Der Mythos von Sisyphos (1942/1962) S.9 (Ü: H.G.Brenner & W.Rasch)

26. November

„Der Selbstmord grassiert durch das zwanzigste Jahrhundert. Die Weltverlustrate dürfte die halbe Million pro Jahr überschritten haben. Die Einwohnerschaft einer Großstadt wie Bremen scheidet Jahr für Jahr freiwillig aus dem Leben. Auf hunderttausend Einwohner kommen in Japan und Österreich 23 Selbstmorde, in Dänemark 21, in der Schweiz 19 und in Schweden 18. Mit an der Spitze liegen – mit 22 pro Hunderttausend – die Lebensmüden deutscher Nation. Im Verhältnis zum Gesamtvolk sind sie mehr als doppelt so zahlreich wie ihre amerikanischen Leidensgenossen. US-Rate: zehn Selbstmorde pro hunderttausend Einwohner. […] Die Deutschen, so könnte man meinen, sind ein Volk grämlicher Passionäre geworden, aggressiv nicht mehr nach außen, sondern vorwiegend gegen sich selbst. Im Westen des Vaterlands morden 500 Menschen pro Jahr, aber gut 20mal so viel morden sich selbst.“

Der SPIEGEL 5/1963 http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45142174.html

2015: Zahl der Morde in Deutschland: 296
2015: Zahl der Selbstmorde: 10.080

statista.com/statistik/daten/studie/583/umfrage/sterbefaelle-durch-vorsaetzliche-selbstbeschaedigung/

 

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