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Veranstaltungszentrum Zeppelinfeld: 4.000 qm große freitragender Hangar, als Veranstaltungshalle nutzbar. Links und rechts terrassenförmiges Hotel mit großer Freifläche davor. Nutzbar als Landeplatz und Open-Air Veranstaltungsfläche. Bild: Hangarworld AG

(wg) Zeppelinrundflüge über Heidelberg sollen vom stillgelegten Airfield auf dem Pfaffengrunder Feld starten. Von dieser Idee des Investors „Hangarworld AG/München“ ist nicht nur Oberbürgermeister Prof. Dr. Würzner sondern angeblich auch eine Mehrheit im Gemeinderat begeistert.  Es geht aber nicht nur um einen Start und Landeplatz für Zeppeline sondern um den Bau eines weiteren Standorts für Großveranstaltungen. Rundflüge mit dem Zeppelin sind im Geschäftskonzept nur eine Nebensächlichkeit. Das Veranstaltungszentrum würde zudem in einer wichtigen Frischluftschneise entstehen, nahe an Pfaffengrund und umrahmt vom landwirtschaftlich genutzten Pfaffengrunder Feld. Das Heidelberger Stadtklimagutachten von 2015 empfiehlt, dort keine weiteren Gebäude zu errichten. Auch stellt sich die Frage, ob Heidelberg einen weiteren Ort für Großveranstaltungen benötigt.

Die wichtigsten Informationen im Überblick

(Bewertung am Ende des Artikels)

Bei den folgenden Informationen beziehen wir uns auf die Presseerklärung der Stadt Heidelberg, frei zugängigen Infos aus dem Internet und eine Präsentation der Investoren im nichtöffentlichen Teil der Gemeinderatsitzung am 16.11.2017. Die STADTREDAKTION liegt diese Präsentation vor. Wir hätten sie gerne hier veröffentlicht. Die Vertreterin von „Hangarworld AG“ hat das leider nicht gestattet.

Was gehört zur „Erlebniswelt Zeppelin“ ?

  • Ein Zeppelin, das ist ein sogenanntes Luftschiff. 75 Meter lang und ca. 18 Meter hoch. Darin können bis zu 14 zahlende Gäste befördert werden. Hinzu kommen 3-4- Personen als Flugbegleitungspersonal.
  • Eine kreisrunde Start-und Landebahn, Durchmesser ca. 300 Meter. Nur ein Teilbereich davon wird befestigt werden müssen, da Zeppeline auch auf einer Grünfläche landen können.
  • Ein Hangar, wo der Zeppelin stehen wird, wenn er nicht gerade fliegt. Höhe des Gebäudes ca. 30 Meter., Länge 100 Meter, Breite 45 Meter. Die Höhe entspricht ungefähr dem anderhalbfachen eines in Heidelberg üblichen Wohnhauses. Der Hangar mit einer Grundfläche von ca. 4.000 qm ist auch als freitragende Veranstaltungshalle nutzbar. Es können dort Veranstaltungen, Messen, Kongresse stattfinden. Man spricht von einer Kapazität von bis zu 2.000 Personen.
  • Eine Erlebniswelt und Wissenswelt im und am Hangar. Also eine Art von interaktivem Museum zum Themenfeld „Luftschiff Zeppelin“ . Täglich werden bis zu 600 Besucher erwartet. Das sind pro Jahr ca. 210.000 Personen.
  • Eine Eventgastronomie „on the top“ vom Hangaralso in ca. 30 Meter Höhe. Die Investoren bezeichnen es in ihrer Präsentation als „Culinarium“ mit VIP Lounge.
  • Ein „4 Sterne Hotel“ ist im Halbkreis rechts und links um den Hangar terassenförmig angeordnet. Höhe ca. 15 Meter mit einem idealen Blickfeld auf eine Bühne, die auf der Start-und Landebahn stehen könnte.
  • Parkplätze und Zufahrtswege müssen natürlich auch noch geschaffen werden

Hangar,auch als Veranstaltungsraum für bis zum 2.000 Menschen nutzbar. Ca. 4.000 qm groß, ca. 35 Meter hoch. Daneben das terrassenförmig angeordnete Hotel.

Die Investitionssumme soll ca. 50 Mio. Euro betragen. Projektentwickler und Betreiber ist „Hangarworld AG München“. Hangarworld ist Teil der Unternehmensgruppe Dünkel, die auch Inhaber der „Motorworldgroup“ ist. Siehe hier und hier.

Welche Angebote erwarten die künftigen BesucherInnen? 

Rundflüge: Bei geeigneter Wetterlage sind bis zu 6 einstündige Rundflüge über Heidelberg und die Region vorgesehen. An einem Flug können bis zu 14 zahlende Personen teilnehmen. Er kostet ca. 500 Euro pro Person.

Erlebniswelt – Eventlocation: Eintrittspflichtiger Besuch der Erlebniswelt. Das wird wohl das „massentaugliche“ Modul sein.

 

Wissenswelt – Kongresswelt: Die gesamte Anlage kann auch als eine Art von Messe- Kongresszentrum genutzt werden. Wenn die vorgesehene Kapazität von 2.000 Personen wahr sein sollte, wäre sie etwa gleich groß wie im neuen Kongresszentrum.

Hotel: Über die Hotelkapazität findet man leider keine Angaben in der Präsentation. Das Hotel ist in einem Halbkreis terassenförmig rechts und links von der Hangarveranstaltungshalle angeordnet.

Werbung: Ein Zeppelin ist ein hervorragender Werbeträger, der Einnahmen generiert, sobald er fliegt. Auf Nachfrage der Stadtredaktion betont allerdings die Sprecherin von Hangarworld AG, dass nicht an die übliche Werbung auf den seitlichen Flächen auf dem Zeppelin gedacht ist. Stattdessen sollen die seitlichen Flächen künstlerisch gestaltet werden, finanziert von Sponsoren.  Diese dürfen auf der Unterseite des Zeppelins, also jener Fläche, die man auch noch in 300 – 500 Meter Flughöhe noch gut lesen kann, ihre Logos anbringen.

Was wäre noch alles denkbar auf dem Zeppelinfeld?

Start- und Landeplatz für Hubschrauber, Gleitschirmflieger usw.

Open Air-Veranstaltungen: Das Halbrund neben dem Hangar, das terrassenförmige Hotel mit davorliegendem Start- und Landesplatz ergibt eine vorzügliche Open-Air Bühne mit Odenwaldkulisse, angestrahlt von der Abendsonne.

Technikorientierter Weihnachstrummel mit allerhand digitalem, technischem Vergnügungsangebot in der eher flugfreien Winterzeit.

Messen, Ausstellungen usw.

Das steht so allerdings nicht in der Präsentation der Investoren.

Wieviele Menschen und welche Zielgruppen werden das Zeppelinfeld voraussichtlich jährlich frequentieren?

Lt. Internetseite von Hangarworld werden bis zu  400.000 Menschen pro Jahr erwartet. Im Vergleich dazu: nach Heidelberg kommen bisher jährlich 11 Mio. Touristen. Die Tourismuszahlen würden also um ca. 4 % ansteigen. Sollte ein Großteil der Besucher auch übernachten, wäre die Steigerungsrate bei den Übernachtungsgästen ( jährlich ca. 700.000) durchaus erheblich.

Nur ein kleiner Bruchteil der Besucher wird aber einen Rundflug mit dem Zeppelin buchen

Die Investoren gehen von durchschnittlich 200 Flugtagen im Jahr aus. Je nach Wetterlage können es auch mehr oder weniger sein.

Bei höchstens  6 Zeppelinfahrten pro Tag mit jeweils 12-14 Personen wären es also täglich ca. 80 Fluggäste, im Jahr also ca. 17.000 Personen. Das ist aber nur ein kleiner Bruchteil der erwarteten ca. 400.000 BesucherInnen der Erlebnis-und Wissenswelt.

Bei den hohen Flugkosten werden es sicherlich nicht die Geburtstage von Kindern der „Normalbürger“ aus Heidelberg im Zeppelin gefeiert werden. Wir haben es also mit einem zahlungskräftigen „High-End“ Publikum zu tun.

Wie man aus der Branche hört, sei ein ähnliches Zeppelinprojekt am Bodensee international sehr nachgefragt. Lange Wartezeiten sind üblich.

Was ist das Geschäftsmodell? 

Das Herzstück des Projekts: Die ca. 4.000 qm große freitragende Veranstaltungshalle

Ein ähnliches Projekt der Zeppelinwerfte in Friedrichshafen bewirbt „ihren“ Hangar mit folgenden Worten :

„ Eine der größten freitragenden Hallen Deutschlands für Ihre Veranstaltung

…Je nach Nutzung durch Betrieb und Bau der Luftschiffe stehen ca. 4000 m² als Eventfläche zur Verfügung. Dabei erlaubt die lichte Höhe von ca. 32 Metern spektakuläre Bühnenbauten. Ein spannendes Licht- und Tonkonzept setzt Ihr Thema optimal in Szene und zaubert ein besonders reizvolles Stimmungsbild. Ein außergewöhnlicher Ort, einmalig in Europa! Bei geschlossener Halle finden bis zu 1.400 Personen Platz. Mit Öffnung der Hangartore können Sie unter Einbezug der Außenflächen bis zu 2.000 Gäste begrüßen….“

Welche sonstigen Randbedingungen braucht ein Luftschiff Zeppelin?

Ein Luftschiff muss üblicherweise in Windrichtung starten. D.h. der Hangar wird in Ost-West Richtung gebaut werden, weil dies offensichtlich die Hauptwindrichtung im Pfaffengrunder Feld ist.

Auszug aus dem Stadtklimagutachten 2015. Hier geht es um die Fläche zwischen Pfaffengrund und dem Pleikartsförster Hof.

Hangarworld betont gegenüber der STADTREDAKTION, dass durch die geplante Lage der Gebäude die Frischluftschneise nicht beeinträchtigt würde. Die Vorgaben des Stadtklimagutachtens könne man erfüllen.  Dort heißt es: “ …auf eine weitere Bebauung im Umfeld des Pleikartförster Hofs (sollte) verzichtet werden. Dieser Wirkungsraum befindet sich in einer klimaökologisch bedeutsamen Landschaftsachse, wo zusätzliche Baumassen den für die Ventilation vorhandenen Freiraum weiter einengen könnten…“

Zum starten und landen eines Zeppelins braucht der Betreiber ein „Sonderlandeplatz“. Das ist in der Regel kein „Verkehrsflugplatz“. Auf dem Mannheimer Flugplatz dürfte also ein Zeppelin normalerweise nicht starten und landen.

Dieser Sonderlandeplatz ist aber dennoch eine Art Flugplatz. Er benötigt ein ähnliches Genehmigungsverfahren wie Verkehrsflugplätze. Das Pfaffengrunder „Airfield“ hat aber keine Genehmigung, weil er schon lange stillgelegt ist. Der Start-und Landeplatz müsste also neu beantragt werden. Das ist kompliziert und sehr langwierig. Ein Planfeststellungsverfahren muss eingeleitet werden. Einsprüche sind möglich.

Aus der Flugbranche hört man, dass es in Deutschland immer unwahrscheinlicher werde, einen neuen Flughafen genehmigt zu bekommen. Das kann also dauern.

Flugbedingungen

Ein Zeppelin braucht er üblicherweise ruhiges Wetter ohne Turbulenzen und ohne Nebel. Es dürfen keine Sichtbehinderungen vorliegen.

Geflogen wird nach „Sichtflugregeln“. Danach darf der Zeppelin eine Mindesthöhe von 300 Meter nicht unterschreiten. Außerdem muss ein seitlicher Abstand zum nächsten Hindernis von ca. jeweils 600 Meter eingehalten werden.  Im engen Neckartal dürfte also ein Zeppelin unterhalb der Höhe des Königstuhls eher nicht fliegen wird.  Die Flughöhe liegt dann so um die 400- 500 Meter. In der Präsentation der Investoren ist ein Bild zu sehen, wo ein Zeppelin etwa auf der Höhe des Heidelberger Schlosses fliegt. Das ist so nicht möglich.

Lärmbelastung

Zeppeline benötigen einen starken Motor für den Start. Nach Angaben von Hangarworld entsteht dabei Lärm in der Größenordnung von bis zu 70 Dezibel; das soll etwa so laut wie ein Staubsauger sein.

Wenn der Zeppelin auf einer Höhe von 400-500 Meter über der Stadt schwebt, dann hört man wohl bis zu 6 x an 200 Tagen für 20 – 30 Minuten nur ein leichtes Surren. An sonnigen Wochenenden mit starken Kleinflugzeugverkehrlärm wird der Zeppelin kaum als zusätzliche Geräuschquelle wahrzunehmen sein. An den übrigen Flugtagen aber sehr wohl und das, bei 6 Rundflügen pro Tag, für insgesamt 1,5 bis 2 Stunden.

Die Lärmbelastung durch ein Rockkonzert in der Hangarhalle oder davor kann bis zu 110 DB betragen.

Braucht Heidelberg ein weiteres Veranstaltungszentrum auf dem Pfaffengrunder Feld ?

Das Geschäftsmodell von Hangar-World beruht offensichtlich nur zum kleineren Teil auf Rundflügen mit einem Luftschiff. Dazu wäre der Markt jener zu klein, die sich die 500 Euro für einen einstündigen Flug leisten wollen.

Bei erwarteten 17.000 Fluggästen pro Jahr und 500 Euro Einnahme pro Gast entsteht ein Umsatz von 8,5 Mio über den reinen Flugbetrieb.  Damit rechnet sich aber der Einsatz von 50 Mio. Euro Investitionen noch lange nicht.

Ein kleiner Blick in die Zukunft?? Celebration Day: We are gonna dance and sing in celebration, we are in the promised land.  (Led Zeppelin, Text: Robert Plant )

Das eigentliche Geschäft wird offensichtlich mit dem Begleitprogramm gemacht: Wissenswelt (Museum, Ausstellungen etc.), Konferenzen und Tagungen und Hotelübernachtungen.

Was auf den ersten Blick als fast schon sympathisches, nachhaltiges Projekt erscheint, entpuppt sich schnell als Großprojekt in der Größenordnung eines Messe-und Veranstaltungszentrums mitten in einem landwirtschaftlich genutzten Gebiet. Weitere bauliche Entwicklungsimpulse können entstehen, vor allem in Richtung Patrick Henry Village, dem weiteren Konversionsgebiet.  Der südliche landwirtschaftliche Gürtel und die damit zusammenhänge Freiluftschneise könnten stark beeinträchtigt werden. Ist das wirklich notwendig ?

Nicht nur die Tourismuszahlen würden weiter steigen und damit die Altstadt weiter belastet. Mehr motorisierter Zielverkehr in die Innenstadt ist zu erwarten. Auch darauf kann Heidelberg bei eh schon ausuferndem Tourismus gut verzichten.

Ein Messe-und Veranstaltungszentrum im Pfaffengrunder Feld erzeugt Lärm. Hangarhalle und die davorliegende Landefläche mit Naturkulisse im Hintergrund sind über die warme Jahreszeit eine hochattraktive, fast schon wetterfeste Open-Air Location. Diese Investition könnte sich wirtschaftlich lohnen, aber eben nur für den Investor und die Heidelberger Tourismusbranche.

Auch wenn der Gedanke an einen Liveauftritt von Roger Plant & Jimi Page (ehemals LED ZEPPELIN) auf dem Pfaffengrunder Zeppelinfeld selbst beim Schreiber dieser Zeilen Begehrlichkeiten nach einem solchen Veranstaltungsort weckt: Der Schutz von Natur, des Heidelberger Bioklimas, der Landwirtschaft und das Ziel der CO2 Reduktion sprechen dagegen. Mehr Tourismus braucht Heidelberg genauso wenig wie mehr Verkehr.

Neben Kongresszentrum, neuer Großsporthalle und der Stadthalle: ist dieses weitere Großveranstaltungszentrum im Pfaffengrunder Feld wirklich notwendig? Darüber hätten sich die Gemeinderäte, die sich ohne große öffentliche Debatte in nichtöffentlicher Sitzung für das Projekt aussprachen ein paar Gedanken machen können. Stattdessen startet der Oberbürgermeister  aber neben der Sanierungskampagne Stadthalle eine weitere klug eingefädelte und von der RNZ unterstützte Kampagne für das nächste sinnlose Großprojekt in Heidelberg.

Infos Zum Geschäftsträger Motorworld

www.motorworld.de…

Weitere Infos zum Zeppelinprojekt

www.neueperspektiven-projekt.de…

www.astopark.de…

www.zeppelin-hangar-fn.de…

Infos zum Zeppelinprojekt in Friedrichshafen

zeppelin-nt.de…

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