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Mit Power zur persönlichen Bestzeit: Leistungsschwimmer Jonathan Kluckert

/ SRH Heidelberg /

„Bestzeit!“ verbreitet Jonathan Kluckert als Kurznachricht sofort nach dem Anschlag am Beckenrand über sein Handy. Er ist erstmals bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften für Menschen mit Behinderung in Remscheid. Dort schwimmen 140 Sportler auf 25 Meter-Bahnen um die Wette. Darunter Paralympics-Teilnehmer und solche, die es werden möchten. Jonathan bleibt cool, denn Dabeisein ist alles. „Wenn sich der 17-Jährige vom Beckenrand abstößt, dann heißt es für ihn nur noch „Power, Power, Power“. 46:50 Sekunden hat er diesmal in seiner Lieblingsdisziplin Brustschwimmen auf der 50 Meter-Strecke als persönliche Bestzeit geschafft, im Endergebnis kommt er auf Platz 38. Für ihn ein sehr gutes Ergebnis.

Das Schwimmteam der SRH Stephen-Hawking-Schule erreichte beim Bundesfinale von „Jugend trainiert für Paralympics“ in Berlin den siebten Platz. (© SRH Heidelberg)

Seit seinem vierten Lebensjahr lebt Jonathan Kluckert mit einer Spenderniere. Schon von Geburt an sind seine Bauchmuskeln kaum ausgebildet. „Pflaumenbauchsyndrom“ nennt sich diese seltene Krankheit, die auch Organfunktionen wie die der Nieren beeinträchtigt. Seine Eltern unterstützen die sportlichen Ambitionen: „Mein Vater war Wettkampfschwimmer in Schleswig-Holstein und hat wertvolle Tipps, meine Mutter schwimmt ebenfalls leidenschaftlich gern. Sie gehen beide gerne mit mir ins Schwimmbad.“ Weil ihm seine Eltern die optimalen Fördermöglichkeiten an der SRH Stephen-Hawking-Schule in Neckargemünd zugänglich machen wollten, sind sie eigens von der Ostseeküste an den Neckar umgezogen. „Mit dem Leistungsschwimmen habe ich in der 6. Klasse angefangen. Ich habe vom Seepferdchen bis zum Goldabzeichen alles“, sagt der Werkrealschüler stolz, „dazu die Pokale, einen Ordner mit Urkunden, bestimmt schon acht Medaillen“.

Auch im Namen der Schule ist der Schwimmer unterwegs. Im September nahm das Schwimmteam der SRH Stephen-Hawking-Schule am Bundesfinale des Wettbewerbs „Jugend trainiert für Paralympics“ in Berlin teil. „Die Konkurrenz ist sehr stark“, weiß Jonathan Kluckert, ein „alter Hase“ in der Schulmannschaft. Diese hatte sich als Landessieger in Baden-Württemberg im Frühjahr fürs Bundesfinale qualifiziert.

Schon dreimal war Jonathan Kluckert für die Teilnahme in Berlin nominiert, „nervös“ ist er aber jedes Mal aufs Neue. „Wenn ich den Startschuss höre, dann heißt das für mich: Volles Rohr!“, sagt er. Mit diesem Motto schwamm er wie schon bei der Landesmeisterschaft auch in der Hauptstadt wieder „hervorragende persönliche Zeiten“ über seine Lieblingsdistanzen: 50 Meter Brust in 49:36 Sekunden, Freistil in 49:97 Sekunden. Mit dem Ergebnis im Rückenschwimmen war er selbst weniger zufrieden, blieb aber mit 56:50 Sekunden auch hier unter einer Minute.

Starke Leistungen zeigten beim Bundesfinale auch die übrigen sechs Teilnehmer: Anna Daubenberger, Caroline Scheffler, Julia Stöcker, Jonathan Presser, Paul Antwerpes und Philipp Kreiter. Die Mannschaft der SRH Stephen-Hawking-Schule holte für Baden-Württemberg schließlich den siebten Platz; Sieger der zwölf teilnehmenden Schulen wurde die Berliner Carl-von-Linné-Schule. Jonathan freut sich über das Ergebnis: „Wir haben unsere Erwartungen übertroffen, denn viele Teilnehmer sind uns weit voraus, weil sie von Sportschulen kommen und dort fast täglich trainieren. Wir trainieren zweimal pro Woche. Dafür sind wir richtig gut.“ Außerdem habe das Schwimmen in Baden-Württemberg keinen so hohen Stellenwert wie in Norddeutschland, Berlin und Brandenburg, meint der gebürtige Lübecker: „Durch das Meer und die Seen ist es dort fast selbstverständlich, dass man früh schwimmen kann. In Schleswig-Holstein haben die meisten Schüler schon vor der Einschulung das Seepferdchen.“

Nach der 10. Klasse möchte Jonathan 2018 die Schulzeit abschließen und eine Ausbildung zum Technischen Produktdesigner oder Technischen Systemplaner beginnen. „Ich habe schon immer Landkarten abgezeichnet und so gelernt, fein und exakt zu zeichnen“, erklärt er. Diese Fähigkeit möchte er in seinem künftigen Beruf zum Beispiel beim Entwerfen von Bauelementen mit speziellen CAD-Programmen am Computer nutzen. Anfragen und Bewerbungen hat Jonathan schon verschickt, die Antworten stehen noch aus. Ob seine Zielstrebigkeit durch die Disziplin beim Schwimmen kommt? „Klar, das Wettkampfschwimmen macht schon was mit mir“, sagt Jonathan und grinst fröhlich.

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