Theather HD – Nimby | Not in my backyard – Videobeitrag auf SWR 2

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/ via Theater Heidelberg /

Einen »lockeren, satirisch beißenden Abend«, der beim Festival-Publikum »bestens angekommen« sei, beobachtete Volker Oesterreich für die Rhein-Neckar-Zeitung (14.02.2017).

„Not in my Backyard“ erzählt von einem Konflikt in Santiago de Chile: Es geht um eine Edel-Öko-Kommune, die sich mit viel Grün ein kleines Paradies geschaffen hat. Aber nun rückt der Slum immer näher an ihre „heile Welt“ heran. Und die Stadtverwaltung beschließt, Sozialwohnungen für die Menschen aus diesem Elendsquartier zu bauen, direkt vor die Haustüre der Ökos. Die wollen das absolut verhindern. Sozialwohnungen ja, aber „Not in my backyard“. Komitees werden gegründet, Versammlungen abgehalten. Ökologisch und sogar antikapitalistisch argumentieren sie, um sich die Armen vom Leib zu halten. Es ginge nur um Kapitalinteressen. Leistet Widerstand! Ruft ein Aktivist.

Die Dialoge sind Spanisch und Deutsch übertitelt. Auch zwei Heidelberger Schauspieler stehen auf der Bühne. Im Stück werden die Deutschen als „Experten zur Deeskalierung von Krisensituationen“ engagiert, extra eingeflogen. Sie geben der Kommune sogleich Anweisungen: „Wir werden mit höchster Effizienz ans Werk gehen, damit sie erreichen, was sie sich wünschen. Wir wissen, wie man nach einer Krise wieder aufersteht, wie ein Phönix. Aber es hängt von euch ab“.

Heile Welt kontra Slum

Der Schauspieler Martin Wißner ist mit seiner Kollegin Nicole Averkamp vor einiger Zeit tatsächlich nach Chile gereist. Dort wurde das Stück mit dem Colectivos Zoológico entwickelt. Der Konflikt beruht auf einer wahren Geschichte, sagt Martin Wißner und „der ist nie so wirklich gelöst worden. Wir sind da auch hingefahren, wo er stattgefunden hat. Und er ist wie es bei uns im Stück war, gelöst worden, indem man eine Mauer gebaut hat zwischen den zwei Bereichen. Die leben da bis heute, Es gibt auch Löcher in der Mauer, wo man durch kann. Aber es war eine riesige Schlammschlacht, nach allem was wir recherchiert haben.“ Martin Wißner

Die Figuren im Stück sind frei erfunden. Aber so einen Typ wie German gab es sicher, der sofort Patrouillen organisiert, um das Gebiet zu schützen. Er fordert ein Wachhäuschen, will Panikknöpfe für jedes Haus und schließlich auch die Mauer.

Eine Mauer als Lösung

Dass die Deutschen als Law- and Order Spezialisten eingeflogen werden, ist natürlich kein Zufall. Die Gruppe arbeitet bewusst mit Klischees. Auch sich selbst, mit ihrer eher chaotischen Lebensart, nehmen sie auf die Schippe. So kommt es dann auch zum „cultural clash“, die beiden Seiten verstehen sich einfach nicht.

Der chilenischen Schauspielerin Viviana Nass geht es bei diesem Stück vor allem um die Aussage. Es sei ein sehr politisches Stück, sagt sie und habe viel mit der Situation in ihrer Heimat zu tun: „Unser Autor hat noch andere Konflikte eingebaut. Zum Beispiel die schlechte, erniedrigende Behandlung der Bediensteten. Wir haben tatsächlich noch Bedienstete in Chile. Das ist ein Relikt von früher. Sie haben immer noch einen ganz niedrigen Status. Auch das gehört zum Bild der chilenischen Gesellschaft.“

Deutsche Spezialisten werden eingeflogen

Die Proben zu „Not in my Backyard“ laufen noch intensiv. Das Regieteam – inszeniert das Stück als Groteske, phantasievoll und innovativ. Das Colectivo Zoológico arbeitet in Santiago sehr engagiert, dabei immer kritisch, humorvoll und multimedial. Dabei haben sie völlig andere Arbeitsbedingungen als wir in Deutschland, sagt die Dramaturgin Sonja Winkel, die mit in Chile war. „Die Gruppe arbeitet als festes Kollektiv zusammen, es sind aber nur acht Leute und nicht 250 Kollegen wie hier am Theater und Orchester Heidelberg. Auf Grund der Förderungsstrukturen machen sie auch nur eine große Produktion pro Jahr. Und sie haben nebenbei noch alle andere Jobs in anderen Kompanien, als Theatertechniker, in Museen usw. Das ist schon von der Struktur her ein ganz anderes Arbeiten.“ Sonja Winkel.

Annette Lennartz besuchte eine Probe zu Nimby | Not in my Backyard und sprach mit Beteiligten der Produktion. Ihren Beitrag, gesendet am 08. Februar im SWR2-Programm »Kultur Regional«, können Sie jetzt im Online-Angebot des SWR nachhören und nachlesen.

 

By | 2018-01-22T00:44:42+00:00 Januar 22nd, 2018|Soziales, Theater, Theater Heidelberg|0 Comments

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