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Adolf Kußmaul, ein Medizin-Professor, der viel „von sich reden machte“

/ von Marlene Iro /

Es gibt in Heidelberg eine Kußmaul-Straße, eine Straßenbahnhaltestelle und es gibt einige Begriffe in der medizinische Terminologie, sogenannte Eponyme (Krankheiten, nach ihrem Entdecker oder Erforscher benannt), die seinen Namen tragen (s. u.). Und auch Geräte, die man nach ihm benannte – hier ein anschauliches Beispiel: Der Kußmaul-Magenschlauch (1867): Kußmaul führte die Methodik der Magenpumpe zu diagnostischen und therapeutischen Zwecken als alltägliches medizinisches Gerät in die klinische Praxis ein.

Adolf Kußmaul (1822 – 1902), „der Vielseitige“ (* 1822 in Graben bei Karlsruhe; † 1902 in Heidelberg) war ein deutscher Internist und Gastroenterologe.

Er stammte aus einer bekannten badischen Medizinerfamilie und wuchs in in Wertheim, Heidelberg und Mannheim auf;  1840 begann er mit dem Medizinstudium in Heidelberg. Seine Studienzeit war geprägt von den Unruhen des „Progress“, einer liberale Reformbewegung in der deutschen Studentenschaft um 1840 – 1855, die sich für die Aufhebung der akademischer Sonderrechte gegenüber der Bürgerschaft, die Abschaffung der akademischen Gerichtsbarkeit und die Gleichheit aller Studenten einsetzte. Er war bereits als Student durchaus von einem liberalen Geist geprägt, gehört aber auch einige Jahre  dem Corps Suevia Heidelberg (älteste Heidelberger Studentenverbindung) an.

1846 legte er das Staatsexamen ab und wurde Assistent von Karl von Pfeufer. Die Jahre 1847 und 1848 verbrachte er mit weiteren Studien in Wien und Prag und informierte sich über die neuesten Erkenntnisse der Wiener Medizinischen Schule.

Nach einigen Jahren als Militärarzt in der Badischen Armee und drei Jahren Praxis als niedergelassener Arzt entschloss sich Kußmaul schließlich 1853 eine akademische Laufbahn einzuschlagen und begann mit seiner Doktorarbeit an der Universität Würzburg. Seine Dissertation behandelte den Einfluss der Blutströmung des Kopfes auf die Bewegungen der Iris.

1855 habilitierte sich Kußmaul in Heidelberg wurde 1857 zum „außerordentlichen Professor“ an die Universität Heidelberg berufen. 

 

Adolf Kußmaul war ein sehr vielseitiger, vielinteressierter Mediziner, wie er heutzutage kaum noch vorstellbar ist. Eigentlich ein Internist und Gastroenterologe, gingen seine Interessen und Studien jedoch weit darüber hinaus.

Als Universitätsprofessor las er auch über Arzneimittellehre, über Toxikologie, Psychiatrie, Gerichtsmedizin und Anthropologie. Er arbeitete er im chemischen Laboratorium und veröffentlichte Arbeiten über die Totenstarre – und er beschäftigte sich mit den toxischen Wirkungen des Fliegenpilzes.

1859 folgte er dem Ruf der Universität Erlangen auf den Lehrstuhl für Innere Medizin. Dort entstanden Publikationen über Quecksilbervergiftung und experimentelle Psychologie. 1863 wechselte er als Ordinarius an die Universität Freiburg und 1876 an die neue Kaiser-Wilhelms-Universität Straßburg.

1888 emeritiert, lebte Kußmaul fortan in Heidelberg. Hier wurde er auch zum Geheimrat (1891; Titel „Geheimer Rat“ als Auszeichnung) und Ehrenbürger von Heidelberg ernannt.

 

 

Kußmauls Frau Luise Amanda geb. Wolf verstarb am 25. Januar 1898 und ist an der Seite ihres Gatten in der Familiengrabstätte auf dem Bergfriedhof Heidelberg  beigesetzt. Sein Schwiegersohn war der bedeutende Krebsforscher und Professor der Chirurgie Vincenz Czerny.

 

Bekannte Kußmaul-Eponyme

Kussmaul-Maier-Syndrom (1866): Klassische Beschreibung der „Periarteriitis nodosa“ durch Kußmaul und Maier. Die Polyarteriitis nodosa (PAN, auch Kussmaul-Maier-Krankheit) ist eine Entzündung der Blutgefäße, die zur Gruppe der Autoimmunerkrankungen zählt.

Kussmaul-Puls (1873): Beobachtung des paradoxen Pulsphänomens (Pulsus paradoxus) bei Patienten mit schwieliger Mediastino – („Mittelfellraum„) Perikarditis (Herzbeutelentzündung). Dabei verschwindet der Puls in kurzen Intervallen, um gleich darauf mehrere Male wiederzukehren, die scheinbare Unregelmäßigkeit ist an die Atemphasen gebunden.

Kussmaul-Aphasie (1877). Totale sensorische Aphasie (‚Sprachlosigkeit‘, eine erworbene Störung der Sprache durch einer Schädigung in der dominanten Hemisphäre des Gehirns) mit Beeinträchtigung der „inneren Sprache“, des Leseverständnisses und Schreibens und der Unfähigkeit nachzusprechen. Andererseits wird darunter auch der psychogene Mutismus (psychogenes Schweigen) subsumiert: „Stummheit“ bei intaktem Sprechorgan, psychogenem Stupor (Starrezustand des ganzen Körpers bei wachem Bewusstsein) und Schrecklähmung.

Kussmaul-Atmung (1874): Kußmaul beschrieb erstmals Beobachtungen an drei komatösen Diabetikern, die „große Atmung“ (Azidoseatmung) mit Azetonbildung im Blut. Die Kussmaul-Atmung gilt seither klinisch als charakteristischer Atemtypus beim Coma diabeticum: pausenlose regelmäßige, sehr tiefe Atemzüge, wobei die Atemexkursion unter Zuhilfenahme der Atemhilfsmuskulatur stark vergrößert ist. Coma diabeticum ist eine durch Insulinmangel hervorgerufene schwere Stoffwechselentgleisung, die mit tiefer Bewusstlosigkeit einhergeht.

Kussmaul-Landry-Syndrom (1859): Kussmaul beschrieb gleichzeitig mit Jean Baptiste O. Landry (1826–1865) und unabhängig von ihm die aufsteigende, schlaffe symmetrische Lähmung, die schwerste Form des Guillain-Barré-Syndroms (eine akut auftretendes neurologisches Krankheit, bei der es zu entzündlichen Veränderungen des peripheren Nervensystems kommt) mit charakteristischem Liquorbefund (Eiweißvermehrung ohne entsprechende Zellvermehrung). Das Syndrom zeigt sich durch schlaffe Beinlähmung mit erloschenen Sehnenreflexen, rasches Aufsteigen der Lähmung über die Muskulatur des Beckengürtels nach oben, Lähmungen der Hirnnerven und Exitus innerhalb kurzer Zeit durch periphere und zentrale Atemlähmung.

Weitere Infos: flexikon.doccheck.com…

Bilder: Wikipedia

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