Peter Pauschs Körperkalender /12.2.2018 – 18.2.2018: Atmung & Blähung

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12. Februar

„Goethe lachte. ‚Ja‘, sagte er, ‚es ist so. Eine Roheit kann nur durch eine andere ausgetrieben werden, die noch gewaltiger ist. Ich erinnere mich eines Falles aus meiner früheren Zeit, wo es unter den Adligen hin und wieder noch recht bestialische Herren gab, daß bei Tafel in einer vorzüglichen Gesellschaft und in Anwesenheit von Frauen ein reicher Edelmann sehr massive Reden führte zur Unbequemlichkeit und zum Ärgernis aller, die ihn hören mußten. Mit Worten war gegen ihn nichts auszurichten. Ein entschlossener, ansehnlicher Herr, der ihm gegenüber saß, wählte daher ein anderes Mittel, indem er sehr laut eine grobe Unanständigkeit beging, worüber alle erschraken, und jener Grobian mit, so daß er sich gedämpft fühlte und nicht wieder den Mund auftat. Das Gespräch nahm von diesem Augenblick an eine anmutige, heitere Wendung zur Freude aller Anwesenden, und man wußte jenem entschlossenen Herrn für seine unerhörte Kühnheit vielen Dank in Erwägung der trefflichen Wirkung, die sie getan hatte.“

Eckermann. Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens (9. Juli 1827)

13. Februar

„In der Tat, woher glaubt man wohl, daß eine Pflanze, die im Topfe oder auch draußen wächst, so groß wird? […] Wie sonderbar es manchen klingen mag, ist es doch gewiß, daß es hauptsächlich der Atem der Menschen und Tiere ist, aus dem sich die Pflanze erbaut, der ihr festes Gerüste schafft. Merklich allen festen Stoff, der beim Verbrennen der Pflanzen als Kohle zurückbleibt, schöpft die Pflanze aus der Kohlensäure der Luft (und dem damit geschwängerten Wasser), demselben Wesen, das auch als Schaum des Champagners entweicht. Diese Kohlensäure wird von Menschen und Tieren ausgeatmet, von den Pflanzen aufgenommen, der Kohlenstoff daraus abgeschieden und in ihre Substanz verwandelt, der Sauerstoff aber (dessen Verbindung mit dem Kohlenstoffe eben die Kohlensäure bildet) der Atmosphäre zurückgegeben.“

Gustav Theodor Fechner. Nanna oder Über das Seelenleben der Pflanzen (1848) 10. Kap.

14. Februar

„Versaille den 1. Januari 1693. …. P.S. Ich kan nicht laßen, E.L. ein schön dialogue zu verzehlen, so Monsieur undt ich vergangen gehalten; ich wolte, daß dießes E.L. so von hertzen könte lachen machen, alß meine 2 kinder. Wir waren alle 4 abendts allein hir im cabinet nach dem nachteßen, nehmblich Monsieur, ich, mein sohn undt mein tochter. Monsieur, so unß eben nicht vor eine gutte compagnie genung hilte, mitt unß zu reden, ließ nach langem stilschweigen einen großen lauten furtz met verlöff met verlöff, trehte sich zu mir undt sagte: »qu’est ce que cela, Madame?« Ich threhte den hintern zu ihm, ließ einen streichen in selbigem thon undt sagte: »c’est cela, Monsieur.« Mein sohn sagte: »s’il ne tient que cela j’en ay auttant d’envie que Monsieur et Madame«, undt ließ auch einen braffen gehen. Damitt fingen wir alle ahn zu lachen undt gingen alle auß dem cabinet herauß. Das seindt fürstliche conversationen, wie E.L. sehen, undt solte man curieux sein noch, meine brieffe auffzubrechen, so offriere ich zum neüen jahr dem, so der erste dießen brieff vor E.L. auffbrechen undt lesen solte, dießen weyrauch.“

Liselotte von der Pfalz an ihre Tante Sophie, Kurfürstin von Hannover

15. Februar

„Vom Kaiser Rudolph von Habsburg erzählt man, daß trotzdem er schon ganz alt und schwindsüchtig gewesen, dennoch öfters seine Fürsten, Grafen und andere Großen nebst ihren Gemahlinnen und Töchtern zu sich laden ließ, welche er dann aufs Freundlichste geküßt und dabei gesagt: er wisse keine bessere Arzenei, seinen matten Leib zu erquicken, als wenn er ihren frischen, lieblichen Odem in sich ziehen könnte.“

Siegismund Librowicz. Der Kuss und das Küssen (1877), S.83

16. Februar

„So wie zur Anzeige des schlechten Wetters Blumen und Abtritt ihre unähnlichen Ausdünstungen verdoppeln …“

Jean Paul. Epigramme. In: Manfred Schneider (Hrg.) Jean Pauls Werke (1946), 2. Bd., S.34

„Bakterien im Darm produzieren auch die beiden stark übelriechenden Substanzen Indol und Skatol. Indol entsteht als Abbauprodukt der Aminosäure Tryptophan und wird in der kosmetischen und pharmazeutischen Industrie verwendet zur Herstellung von Farbstoffen und Arzneimitteln. Stark verdünnt riecht Indol nach Blumen, in größerer Konzentration aber nach Fäkalien. Wie Indol ist Skatol ein Abbauprodukt der Aminosäure Tryptophan und ist Hauptverursacher des Geruchs des menschlichen Kots (Fäzis). Wie Indol riecht Skatol in geringen Konzentrationen angenehm und wird deswegen in Spuren Parfümen beigemengt.“

kamelopedia.mormo.org/index.php/Flatologie

17. Februar

„Wir atmen nur mit einem Nasenloch […] Der so genannte ’nasale Zyklus‘ ist seit 1895 bekannt. Damals erwähnte ihn ein gewisser R. Kayser in einem Artikel unter der Überschrift ‚Die exacte Messung der Luftdurchgängigkeit der Nase‘. Seitdem gilt es unter Atemwegsexperten als erwiesen, dass 80 Prozent der gesunden Bevölkerung vorwiegend (nicht ausschließlich) durch ein Nasenloch atmen. Die Periode, mit der sich die beiden Löcher abwechseln, ist allerdings länger als 20 Minuten – die Rede ist von einer bis mehreren Stunden. Auch über den Sinn dieses rhythmischen Hin und Her weiß man bis heute wenig. Den Nasenzyklus mit anderen periodischen Vorgängen vor allem im Gehirn in Verbindung zu bringen ist höchst spekulativ. Eine profane, aber plausible Erklärung: Die Nasenlöcher haben Schwerarbeit zu leisten bei der Reinigung der Atemluft und der Abwehr von Erregern. Und da ist es gut, wenn sich der eine Kanal ausruhen kann, während der andere arbeitet.“

zeit.de/2000/08/200008.stimmts_nasenloe.xml

18. Februar

[Mannheim, den 5. 11. 1777] „[…] ach Mein arsch brennt mich wie feüer! was muß das nicht bedeüten! – – vielleicht will dreck heraus? – ja ja, dreck, ich kenne dich, sehe dich, und schmecke dich – – und – – was ist das? – – ists möglich! – – ihr götter! – – Mein ohr, betrügst du mich nicht? – – Nein, es ist schon so – – welch langer, trauriger ton! – –“ (S. 9)

[Mannheim, den 5.11.1777] „[…] iezt muß ich ihnen eine tauerige geschichte erzehlen, die sich jetzt den augenblick erreignet hat, wie ich an besten an dem brief schreibe, so höre ich etwas auf der gasse. ich höre auf zu schreiben – – stehe auf, gehe zum fenster – – und – höre nichts mehr – – ich seze mich wieder, fange abermahl an zu schreiben – – ich schreibe kaum 10 worte so höre ich wieder etwas – – ich stehe wieder auf – – wie ich aufstehe, so höre ich nur noch etwas ganz schwach – – aber ich schmecke so was angebrandtes – – wo ich hingehe, so stinckt es. wenn ich zum fenster hinaus sehe so verliert sich der geruch, sehe ich wieder herein, so nimmt der geruch wieder zu – – endlich sagt Meine Mama zu mir: was wette ich, du hast einen gehen lassen? – – ich glaube nicht Mama. ja ja, es ist gewis so. ich mache die Probe, thue den ersten Finger im arsch, und dann zur Nase, und – – Ecce Provatum est; die Mama hat recht. Nun leben sie recht wohl, ich küsse sie 10000mahl und bin wie allzeit der alte junge Sauschwanz Wolfgang Amadé Rosenkranz“ (S. 11)

[kaysersheim, den 23ten: dec. 1778] „[…] ich werde alsdan in eigner hoherperson ihnen Complimentiren, ihnen den arsch Petschieren, ihre hände küssen, mit der hintern büchse schiessen, ihnen Embrassiren, sie hinten und vorn kristiren, ihnen, was ich ihnen etwa alles schuldig bin, haarklein bezahlen, und einen wackeren furz lassen erschallen, und vielleicht auch etwas lassen fallen –/ Nun adieu – /mein Engel mein herz /ich warte auf sie mit schmerz.“ (S.21f)

Wolfgang Amadé Mozart an sein Base Maria Anna Thekla Mozart. In: Die Bäsle-Briefe (1993)

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