Peter Pauschs Körperkalender / Gesichter : 14.Mai 2018 bis 20.Mai 2018

Peter Pauschs Körperkalender / Gesichter : 14.Mai 2018 bis 20.Mai 2018

14. Mai

„Die Augen eines Frauenzimmers sind bei mir ein so wesentliches Stück, ich sehe oft darnach, denke mir so vielerlei dabei, daß, wenn ich nur ein bloßer Kopf wäre, die Mädchen meintwegen nichts als Augen sein könnten.“

Lichtenberg. Sudelbuch G (1779 – 83) Nr. 16

“Unser ganzer Körper wünschet bei der Abreise eines geliebten Mädchens, dass sie dableiben möchte, kein Teil drückt es aber so deutlich aus als der Mund: wie soll er sich aber ausdrücken, dass man auch etwas von den Wünschen der übrigen Teile empfindet? Gewiß, das ist sehr schwer zu raten, wenn man noch nicht in dem Fall wirklich ist, und noch schwerer wenn man nie darin war.”

Lichtenberg. Sudelbuch A (1765-70) Nr. 79

15. Mai

„X. philosophiert: ‚Nehmen Sie nur das Wort Nase. Bei uns ist das weiß der Teufel was, man kann sagen ein unanständiger Körperteil, bei den Franzosen dagegen ist es – die Hochzeit.‘ Und tatsächlich – die Nase von X. war ein unanständiger Körperteil.“

Tschechow. Notizbuch 1891-1904 (1983; Ü: Peter Urban) S.106

„Die psychoanalytische Deutung sieht in der Nase ein Symbol von obszöner Doppeldeutigkeit.“

Kindlers Literaturlexikon (1965-1972) Bd.V, S. 601

16. Mai

„Für das wichtigste Element männlicher körperlicher Selbstmimikry wird die Nase gehalten. Bei einer Affenart, dem Mandrill, ist es auffällig, daß die Nase sich zum Genitalecho entwickelt hat. Das Mandrillmännchen hat eine lange rote Nase, angeschwollene blaue Wangen und einen gelblichen Bart, insgesamt ein erstaunliches Gegenstück zu seinen Genitalfarben, dem roten Penis, dem blauen Hodensack und der gelblichen Schambehaarung. Auch das Gesicht des Mannes wiederholt in gewisser Weise die Merkmale seiner Genitalzone.“

Desmond Morris. Der Mensch, mit dem wir leben (1982), S. 241

„Ich mache hier auf die so häufige Verlegung von unten nach oben aufmerksam, die im Dienste der Sexualverdrängung steht […] Ein Fall von solcher Verlegung ist es auch, wenn in der Symbolik des unbewußten Denkens die Genitalien durch das Angesicht ersetzt werden. Der Sprachgebrauch tut dabei mit, indem er ›Hinterbacken‹ als Homologe der Wangen anerkennt, ›Schamlippen‹ neben den Lippen nennt, welche die Mundspalte einrahmen. Die Nase wird in zahlreichen Anspielungen dem Penis gleichgestellt; die Behaarung hier wie dort vervollständigt die Ähnlichkeit.“

Freud. Die Traumdeutung (1900) IV. Die Traumarbeit, E. Weitere typische Träume.

17. Mai

„In einem Lande, wo den Leuten, wenn sie verliebt sind, die Augen im Dunkeln leuchteten, brauchte man des Abends keine Lampen.“

Peter Plett (Hrg.) Lichtenberg. Werke in einem Band (1967), S. 217

„Nicht zu unrecht sagt der französische Volksmund, dass des Mannes letztes Geschlechtsorgan seine Augen sind.“ –

http://docplayer.org/25296704-Der-landesarbeitsgemeinschaft-katholische-seniorenarbeit-in-baden-wuerttemberg-maerz-2012.html

18. Mai

„Dr. Katzenberger überlegt, an welchem Körperteil er Strykius, den Kritiker eines seiner Werke, abstrafen sollte: »Wir könnten die Nase nehmen und solche breit-schlagen; teils weil du [Strykius] auf meine grobe, knollige, kurze Fuhrmanns-Nase etwas heruntersiehst, teils weil, nach Lavater, sich unter allen Gliedern die Nase am wenigsten verstellen kann und du also bei deiner Vermummerei Gott und mir danken wirst, wenn du ein aufrichtiges Glied weniger hast«

Jean Paul. Dr. Katzen-bergers Badereise (1809/1994) S.208

19. Mai

„’Wenn ich herausfinden will, wie klug oder dumm, wie gut oder wie böse jemand ist oder was er gerade denkt, so ahme ich genau seinen Gesichtsausdruck nach und warte ab, was für Gedanken oder Gefühle daraufhin in meinem Kopf oder meinem Herzen aufsteigen, um sich mit jenem Ausdruck zu decken.‘ Auf dieser Antwort des Schulknaben ist all die anspruchsvolle Weisheit aufgebaut, die man Larochefoucauld, La Bruyère, Macchiavelli oder Campanella zugeschrieben hat.“

E.A. Poe. Der entwendete Brief (1845) In: Poe. Erzählungen (1985) S. 599

20. Mai

„Napoleon pflegte zu sagen: Wenn ich eine gute Kopfarbeit brauche, so wähle ich, so seltsam es auch sein mag, stets einen Mann mit einer langen Nase, vorausgesetzt, daß er die nöthige Bildung besitzt. Sein Athem ist kühn und frei, und sein Gehirn, wie sein Herz und seine Lunge, kalt und klar. In meiner Menschenbeobachtung habe ich fast unveränderlich gefunden, daß eine lange Nase und ein guter Kopf mit einander verbunden sind“

Der Erzähler. Ein Unterhaltungsblatt für Jedermann (23.8.1845) S. 272

By | 2018-04-30T09:30:59+00:00 Mai 13th, 2018|.Favorit, Die Stadtredaktion, Peter Pauschs Körperkalender|0 Comments

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